Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Das Ende naht

Der Untergang der Musikindustrie wie wir sie kennen.

Seit Beginn der Internetrevolution hat die Musikindustrie mit Umsatzrückgängen von bis zu 20 % pro Jahr zu kämpfen. Wurde die sich rasante Veränderung des Musikkonsums jahrelang ignoriert, bzw. verschlafen, versuchen die Konzerne mittlerweile den Downloadboom mit aller Gewalt zu bekämpfen. Sammelklagen gegen Internetuser beschädigen das ohnehin miserable Image weiterhin massiv.
Schuld an dem Dilemma sind natürlich die Kunden, die nicht mehr gewillt scheinen für Musik zu bezahlen, sondern diese lieber bequem aus dem Internet saugen.

Dabei übersehen die Verantwortlichen geflissentlich, dass die Krise von ihnen selbst verursacht wurde. Tauschbörsen wie Napster, Morpheus oder Kazaa haben lediglich die technischen Möglichkeiten genutzt um ein neues Medium, sprich die Datei als neuen Dateiträger, einzuführen. Dass der legale Verkauf von Musik funktionieren kann, beweist gerade Apples „I-Tunes“. CEO Steve Jobs demonstriert wieder einmal seine Fähigkeit die Visionen anderer in die Tat umzusetzen. Bezeichnend ist, dass es die „Big Five“ der Musikindustrie bis heute nicht geschafft haben einen funktionierenden Onlineshop nach Apples Vorbild zu etablieren.

Dieses Versäumnis ist nur eines in der langen Liste an Fehlern, die EMI, Sony und Co. an den Rande des Zusammenbruchs geführt hat.
Prestigestars wie Michael Jackson, Prince oder Mariah Carey wurden Dutzende Millionen Dollar an Garantiesummen hinterher geworfen, ohne dass CD-Verkäufe dies rechtfertigen würden. Dieses Geld fehlte den Plattenfirmen dann beim Aufbau Ihrer eigenen Nachwuchskünstler.
Um die dünne Personaldecke zu kaschieren, setzt die Industrie neuerdings auf Retortenstars, die in TV-Shows, oder von Castingagenturen zusammengestellt werden. Aber auch hier gilt, einen Robbie Williams gibt’s nur einmal, der Rest verschwindet nach mehr oder weniger erfolgreichen Veröffentlichungen sehr schnell aus dem Rampenlicht.
Nachdem die Nachwuchspflege der Majors lange Jahre auf den Zukauf von Independent Labels beschränkt wurde, scheint auch dieser Nährboden für innovative und aufregende Musik endgültig am Boden zu sein.

Düstere Aussichten für eine Branche die jahrzehntelang in Saus und Braus gelebt hat.
Hat der Popstar von heute doch ganz andere Möglichkeiten mit seinem Ruhm Geld zu verdienen.
Prince verkauft seine Musik fast ausschließlich über seine Homepage und verdient nach eigenen Angaben damit mehr als zu seiner besten Zeit.
Missy Elliot designt ihre eigene Modelinie, ebenso wie P. Diddy. Eminem hat seine eigene Plattenfirma und überlässt seinem Label lediglich den Vertrieb. Und damit sind noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Parfum, Klingeltöne, Werbung, DVD´s, all das spült jährlich Millionen von Dollars in die Kassen der arrivierten Stars, Plattenverkäufe verkommen zur Randerscheinung.

Verkaufte Alanis Morissette von Ihrem Debüt noch rd. 28. Mio. Stück weltweit, so schaffen die Umsatzträger von heute wie Eminem, oder U2 gerade noch 9 Mio.
Der CD Käufer ist mittlerweile zwischen 30 und 40 Jahre alt und kauft im Schnitt drei CD´s pro Jahr, die eigentliche Zielgruppe zwischen 10 und 20 besorgt sich Ihre Droge längst aus dem Netz.

Diese Entwicklung entwertet die Musik als Kulturgut und wird früher oder später zum Zusammenbruch bestehender Vertriebsstrukturen führen. Der Trend zur Musikdatei ist nicht mehr aufzuhalten.

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