Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Kultur und Politik

Missbrauchen Politiker die Kunst um Wählerstimmen zu generieren? Verfolgt man die aktuelle Diskussion um die Turbulenzen der Seebühne Klagenfurt, so wird man den Eindruck nicht los, dass der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, und zukünftig nicht mehr gebraucht wird.
Wie hat es Claus Raidl, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von Österreichs Parade Unternehmen Böhler Uddeholm einmal so schön formuliert: „Um die Handlungsweise von Politikern zu verstehen, muss man sich lediglich Ihre Ziele bewusst machen. Ziel eines Unternehmers ist es Gewinne zu machen, Arbeitsplätze zu schaffen und zufriedene Mitarbeiter zu beschäftigen. Ziel eines Politikers ist es, möglichst viele Wählerstimmen bei der nächsten Wahl zu bekommen. Diesem Ziel ordnet er alle seine Entscheidungen unter.“
Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider den Schuldigen für das Finanzdebakel seines Kulturfestivals überall sucht, nur nicht bei sich selbst. Schließlich kann man sich als Erfinder und Verantwortlicher (Haider ist in der Kärntner Landesregierung nicht nur Landeshauptmann, sondern auch Kulturreferent) nicht um alles kümmern. Klärende Gespräche mit dem von ihm bestellten Team zu führen kam ihm daher gar nicht in den Sinn, dem künstlerischen Leiter wurde der Vertrauensentzug kurzerhand über die Medien ausgerichtet.
Leider stellt so eine Vorgehensweise in Österreich keine Seltenheit dar. Man erinnere sich nur an die peinliche Vorstellung bei der Direktorensuche für das Theater in der Josefstadt, für das Burgtheater, für das Volkstheater, für das Theater (bitte den Namen Ihrer Lieblingsbühne einsetzen) . Da werden der Politik genehme Leiter nach Herzenslust bestellt und wieder abgesägt. Weigert sich das „entpolitisierte“ mit der Bestellung beauftragte Gremium der politischen Empfehlung zu folgten, genügt meistens eine sanfte Erinnerung an die Subventionen und schon ist der neue Theaterdirektor ernannt.
In Österreich hat die Verbindung Kulturschaffender mit der Politik schon Tradition. Je nach Weltanschauung unterstützen Österreichs Künstler die Partei ihrer Wahl.
Lediglich ein kleiner Kreis Unerschrockener weigert sich beharrlich vereinnahmt zu werden. Und dies haben Stars, wie Thomas Bernhard oder Elfriede Jelinek bitter am eigenen Leib zu spüren bekommen. Umso peinlicher für die Kulturpolitik, dass ausgerechnet jene Persönlichkeiten zu Österreichs anerkanntesten Künstlern im Ausland zählen.
Fazit: Unabhängigkeit macht sich bezahlt. Auch wenn Kunst in Österreich nach wie vor hoch subventioniert ist, sollten die Beteiligten souverän genug sein um eines zu erkennen. Kritische, provokante Kunst, existiert nicht um der Kritik willen, sondern um die Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Wir sollten zivilisiert genug sein, um damit umgehen zu können.

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