Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Burg Forchtenstein 2010

Die Burg Forchtenstein beherbergt die einzigartigen Schätze der Fürstenfamilie und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Sie zieht als Wahrzeichen des Burgenlandes jährlich 90.000 Besucher an. Seit dem frühen 17. Jahrhundert im Besitz der Esterházy, gilt Burg Forchtenstein bis heute als der »Tresor« für die bedeutenden Sammlungen der Familie.

Besucher begeben sich ab April 2010 auf eine spannende Entdeckungsreise voller kultureller Höhepunkte und einmaliger europäischer Schätze:

Zeughaus und Waffensammlung
Von der Militärtradition der Esterházy zeugt eine der größten privaten Waffensammlungen Europas, das ehemalige fürstliche Zeughaus. Stellung und offizielle Funktionen von Nikolaus und Paul Esterházy als Palatinen – also Vizekönigen von Ungarn- verlangten eine repräsentative stehende Truppe in Form einer „Leibgarde“ von 300 Mann, die seit 1640 auf Forchtenstein stationiert war. In den Zeughäusern der Burg befinden sich bis heute 150 Nürnberger Halbharnische, sogenannte Kürasse und ungarische Sturmhauben – Zischäggen – die den Körper der Gardisten schützten. Mit ihren Luntenmusketen mit Gewehrgabeln, Reiterpistolen, Karabinern, Degen für Reiter und Fu0volk aus der ersten Hälfte es 17. Jahrhunderts fochten diese gegen die Türken und Aufständischen der Kuruzzenkriege. Eine Vielzahl an Waffen und Ausrüstungsgegenständen auch aus der Zeit Maria Theresias und der Schlachten des Habsburger Reiches gegen Napoleon werden in beeindruckender Fülle dargeboten. Prunkwaffen und exquisite Jagdwaffen aus dem Besitz der Fürsten Esterházy runden die einzigartige militärhistorische Sammlung ab.

Geheimnisvolle Schätze
Die Esterházy Schatzkammer ist die einzige noch an ihrem ursprünglichen Ort verbliebene Kunst- und Wunderkammer und somit ein europäisches Unikat. Fürst Paul I. Esterházy sammelte wertvolle Uhren und Automaten sowie exotische Tierpräparate und Kuriositäten im großen Stil und verwahrte seine Schätze. Durch komplizierte Sperrmechanismen – eine dreifach gesicherte Tür, deren Schlüssel der Castellan, der Fürst und ein Mitglieder der fürstlichen Verwaltung verwahrten, gelangte man in die Schatzkammerräume. 105 hohe Schränke verwahrten u.a. wertvolle Augsburger Automaten und Uhren, unzählige Drechselkunststücke aus Elfenbein, die funkelnden Schmuckstücke und schillernden Steinschneidearbeiten, das drachenähnliche Wesen aus exotischen Tierpräparaten und die Beutestücke aus den Türkenkriegen. Hermetisch abgeschlossen konnten die Sammlung und die Räume auch die Besetzungen der Burg durch die französische (1806) und die sowjetische Armee (1945-1955) unversehrt überstehen, sodass viele der Kunst- und Wunderkammer-Schätze heute noch an ihrem angestammten Platz bestaunt werden können.

Filigranes Elfenbein
Die wertvollen und äußerst filigranen Gegenstände aus Elfenbein und Bein entstanden im 17. Jahrhundert in den Werkstätten der Familie Zick in Nürnberg und durch Berchtesgadener Künstler. Elfenbein galt in den humanistischen Kunstkammern als Glanzstück für die menschlichen Fähigkeiten bei der Veredelung von Naturmaterialen (naturalia) und wurden als artificialia (Kunststücke) bezeichnet. Die technisch unvergleichlichen Maschinenkunstwerke waren sehr hoch angesehen und stellen einen besonderen Schatz dar. Die Arbeiten auf Burg Forchtenstein zählen zur größten noch erhaltenen Sammlung von Drechselkunst aus Elfenbein und Schnitzkunst aus Bein und überraschen durch ihre waghalsigen Stege und Säulen. In besonders schwingungssicheren klimatisierten Vitrinen präsentiert, zählen diese Kunstwerke zu den absoluten Highlights der Burg Forchtenstein.

Wundersame Ahnen
Die Esterházy Ahnengalerie präsentiert die größte barocke Familien-Galerie Mitteleuropas. Ahnengalerien waren in der frühen Neuzeit ein wichtiges Mittel, den Stand einer Familie darzustellen. Im Zeitalter der höfischen Prachtentfaltung, in der Esterházy in zwei Generationen zu einer der wichtigsten ungarischen Familien aufstieg, war es unentbehrlich, mittels der „uomini illustri“ die Tradition als Magnatendynastie darzustellen. Damit untermauerte die Familie ihr Selbstverständnis als Würdenträger und Feudalherr b, erhöhte die Außenwirkung im Kreis des Adels und legitimierte vor allem ihren Aufstieg innerhalb der Gesellschaft. Um vorhandene Lücken in der Ahnengalerie zu füllen, wurden einige Vorfahren auch erfunden – wie zum Bespiel das kurios erscheinende weltweit einzig erhaltene ganzfigurige Bildnis des Grafen Dracula, der, ebenso wie Attila der Hunnenkönig, als Vorfahre der Familie vereinnahmt wurde.

Sagenhafte Silbermöbel
Im 17. Jahrhundert galten Möbel aus Silber oder gänzlich mit Silberplatten beschlagene Stücke als Nonplusultra fürstlicher Repräsentation. Zunächst als begehrte Objekte in den Kunst- und Wunderkammern europäischer Herzöge und Könige, sodann auch als Raumausstattungen der Barockschlösser, waren diese Schätze jedoch nicht von langer „Haltbarkeit“, da sie meist der Finanzierung von Kriegen zum Opfer fielen und eingeschmolzen wurden. Dieses Schicksal ereilte u.a. auch den großen Silbermöbelbestand von Versailles.
Mit dem außergewöhnlich kunstfertigen Silbertisch von David I. Schwestermüller und den anderen silbernen Ausstattungsgegenständen wie große Silberuhren, Kaminböcke, Wandappliken und Spiegel hat sich in der Esterházy Schatzkammer auf Burg Forchtenstein eine der größten und ältesten Silbermöbelsammlungen Europas erhalten.

Fürstliches Halali. Die Jagd am Hofe Esterházy
In den Sonderausstellungsräumen des Fürstenquartiers der Burg präsentiert die Ausstellung »Fürstliches Halali« vier Jahrhunderte Jagd-Tradition im Hause Esterházy: Von den Treibjagden der ungarischen Magnaten des 17. Jahrhunderts bis zur Pflege des Ökosystems durch den modernen Forstbetrieb Esterházy. Die Besucher gewinnen Einblick in verschiedenste Aspekte des Themas Jagd. Der Bogen reicht von der Darstellung unterschiedlicher Formen der Jagd bis hin zu spektakulären Bildern von Jagdunfällen des 17. Jahrhunderts. Prunkstücke der Jagdwaffensammlungen der Fürsten Esterházy aus dem 17. bis 19. Jahrhundert werden ebenso gezeigt wie Gemälde, Porzellane, Möbel, Pläne von Jagdgattern und –schlössern. Über den Nachlass des Prinzen Louis Esterházy erschließt sich die Leidenschaft zur Großwildjagd dieses besonders eigenwilligen Esterházy: Ende des 19. Jahrhunerts schoss Louis den „Menschenfresser von Dekkan“, einen Tiger, dessen Fell Louis dem Kaiser schenkte.
Glanzlicht dieser Sonderausstellung ist das gewaltige Gemälde des 1756 angelegten Tiergartens der Esterházy bei Schützen. Vor vier Jahren wurde es am Dachboden der Burg – zu einem Paket zusammen gefaltet – entdeckt und vor Ort aufwendig restauriert. Es ist dies die größte Darstellung eines Jagdgatters des 18. Jahrhunderts in Europa.

Veranstaltungen 2010:

• Barockkonzert „Fux’s musikalische Schätze“

• Hochzeitsmesse
– 9. – 10. Oktober 2010

• Advent auf Burg Forchtenstein
– 10. – 12. Dezember 2010

Packages und Tagesausflüge
Ideal kombinieren lässt sich der Besuch der Burg Forchtenstein mit dem Schloss Esterházy oder den anderen attraktiven Ausflugszielen und hochkarätigen Kulturveranstaltungen. Die Angebote reichen von einer erlebnisreichen Führung im ältesten Steinbruch Europas in St. Margarethen mit anschließendem Opernbesuch vor Ort bis hin zur Verkostung edler Spitzenweine im modernen Weingut der Esterházy oder einer Landpartie für Naturliebhaber ins Schloss Lackenbach und zur Burgruine Landsee.

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