Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Ausstellung Arnulf Rainer von Anfang an…

im Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf
vom 27. Juli bis 15. September 2013
Eröffnung am Samstag, 27. Juli 2013 um 18 Uhr

Arnulf Rainer

Der renommierte österreichische Künstler ist weitgehend Autodidakt und zählt zu den bedeutendsten lebenden Künstlern der Gegenwart. Er gilt als Begründer des Informel in Österreich und seine in den 1950er Jahren entwickelten „Übermalungen“ machten ihn international berühmt. Seine Beziehung zur Malerei steht immer im Spannungsfeld der Gegensätzlichkeit: Fotografie gegen Malerei, Natur gegen Künstlichkeit, Erotik gegen Religion, Transparenz gegen Dichte, Kolorit gegen Schwarz, sanfte Eleganz gegen Radikalität und Aggressivität.

Arnulf Rainer wurde 1929 in Baden bei Wien geboren, übersiedelte kriegsbedingt 1945 nach Kärnten, besuchte auf Wunsch der Eltern die (Hochbau)Staatsgewerbeschule in Villach und beschloss, aufgrund der miserablen Architektur-Ideologie seiner Lehrer, kein Architekt zu werden. Bereits mit 14 Jahren entsteht sein Wunsch, Künstler zu werden und mit 17 entdeckt er zum ersten Mal bei einer Ausstellung des British Council in Klagenfurt (u.a. Francis Bacon, Henry Moore) die internationale zeitgenössische Kunst. Nach Abschluss der Matura macht er die Aufnahmsprüfung an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, die er nach einer Kontroverse mit einem damaligen Assistenten noch am selben Tag verlässt. Danach besteht er auch die Aufnahmsprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Nach einem deprimierenden Disput – der damalige Rektor bezeichnete seine Arbeiten als entartet – verlässt er auch die Akademie am Schillerplatz nach drei Tagen und betrat danach jahrelange keines der beiden Häuser.

Rainer arbeitet figurativ – er zeichnet Gesichter und Figuren, setzt sich mit den Theorien des Surrealismus auseinander und lernt 1948 die damals 29jährige Malerein Maria Lassnig kennen. Seine Anfang der 1950er Jahre entstandenen Arbeiten sind im Stil des Phantastischen und Abstrakten Realismus. Gemeinsam mit Ernst Fuchs, Arik Brauer, Wolfgang Hollegha, Josef Mikl und anderen gründet er die „Hundsgruppe“ als revolutionäre Aktion gegen die ästhetisierenden Art-Club-Künstler. Seine Publikumsbeschimpfung 1951 anlässlich einer Ausstellung dieser Gruppe konfrontierte Arnulf Rainer mit den Widrigkeiten der öffentlichen Meinung und schlechter Presse, doch verging kaum ein Monat, in dem er nicht weitere Aktionen in diesem nun als motivierend und die künstlerische Arbeit stimulierend erlebten Provokations- und Reaktionstausch lieferte. Seine lithographischen Beiträge zur einzigen Veröffentlichung der „Hundsgruppe“, der Mappe „Cave Canem“, sind schon vom Titel her Protest und Proklamation. Es folgte seine baldige Abkehr von der Phantastik und auch vom Surrealismus, da ihn die Begegnung mit André Breton anlässlich einer Reise nach Paris mit Maria Lassnig, enttäuschte. Er beschäftigte sich nun mit Mikrostrukturen und Formauflösungen, mit Blindgestaltung und Zentralisationen.

Ab 1954 entstehen die für ihn charakteristischen ersten Über- und Zumalungen eigener und fremder Werke – er schuf die Übermalung als eigene Kunstform, die er selbst so beschreibt: das „schrittweise Umnachten“, die notwendige „Ertränkung des Bildes“ und sein „allmähliches Eingehen in die Ruhe und Unsichtbarkeit“, die wiederum der „große Ozean“ heißt – „aus Bewegungen und Akten wird eine einzige Zuständlichkeit, aus der Vielheit eine einzige große Leere“. Ihn interessieren Proportionsstudien, er macht Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Drogen und setzt sich in psychiatrischen Kliniken intensiv mit Körperhaltungen von Geisteskranken auseinander. Er übermalt Fotografien des eigenen gestisch verrenkten Körpers und seines zu Grimassen verzerrten Gesichts. Schon 1956/57 entstehen erste großformatige, aus Hartfaserplatten zusammen gesetzte, monochrom übermalte Kreuzserien, ein Thema, das er auch später immer wieder aufgreift. Er arbeitet in verschiedenen Studios in Berlin, München und Köln und beginnt, Malerei und Zeichnungen von Geisteskranken zu sammeln. In den 1970er Jahren entstehen zahlreiche Serien von überarbeiteten Fotos wie „Face Farces“, „Body Poses“ – in der Übermalung von Totenmasken, Mumien, Leichengesichtern und Darstellungen von Kreuzigungen setzt er sich intensiv mit dem Thema Tod auseinander.

1966 erhält er den österreichischen Staatspreis für Graphik und das Museum des 20. Jahrhunderts organisiert 1968 eine erste große Retrospektive seiner Arbeiten. 1971 widmet der Kunstverein Hamburg Arnulf Rainer die erste große Retrospektive in Deutschland.

1981 folgt er einer Berufung zum Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und leitet eine Meisterklasse für Malerei bis zu seiner Emeritierung 1995 auf eigenen Wunsch.

Ab den 1980er Jahren entsteht der „Hiroshima-Zyklus“ – eine Serie von Zeichnungen auf Fotos der zerstörten Stadt – der in siebzehn europäischen Städten gezeigt wird. Er sammelt botanische und zoologische Illustrationen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die er für seine Arbeit verwendet und zahlreiche andere Zyklen wie „Shakespeare“, „Engel-Serie“, „Animalia“, „Goya-Überarbeitungen“, „Piranesi“, „Kosmos-Bilder“, „Mikorokosmos/Makrokosmos-Bilder“ und „Schleier-Bilder“ entstehen.

Eine ebenso wichtige Rolle wie die Malerei spielt im Werk Arnulf Rainers die Druckgraphik. Begonnen bei Radierzyklen wie „Überdeckte Überdeckungen“ (1951) bis zu den jüngeren Fotografie-Mappen „Garten…“ und „Mythos Marilyn“ schuf der Künstler über 300 Radierungen.

1993 wird das Arnulf-Rainer-Museum in New York eröffnet. Im September 2009 wird in seiner Heimatstadt Baden bei Wien das Arnulf Rainer Museum im Frauenbad eröffnet, das ein architektonisches Juwel mit den Arbeiten des weltweit renommierten Künstlers vereint.

Er war Vertreter Österreichs bei Biennalen in Sao Paulo und Venedig. In zahlreichen Ausstellungen und einer umfangreichen Bibliographie wurde sein Werk weltweit gewürdigt (Retrospektiven: Kunstverein Hamburg, Nationalgalerie Berlin, Centre Pompidou Paris, Musée Royeaux des Beaux Arts Brüssel, Salomon R. Guggenheim Museum New York, Museum of Contemporary Art Chicago, Historisches Museum der Stadt Wien, Castello di Rivoli Turin, Gemeentemuseum DenHaag, Stedelijk Museum Amsterdam, Kunstforum Wien).

Arnulf Rainer lebt und arbeitet in Wien, Oberösterreich, auf Schloss Vornach bei Passau und seit 1996 auch auf Teneriffa.

Die Leihgaben verdanken wir der Peter Infeld Privatstiftung und privaten Leihgebern.

Das Freilichtmuseum ist täglich von 10 – 18 h geöffnet (Juli/August Dienstag bis 20 h)
Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf
7542 Gerersdorf bei Güssing 66 C,
Telefon 03328/32255
E-Mail: freilichtmuseum.gerersdorf@aon.at
Internet: www.freilichtmuseum-gerersdorf.at

Kurz-Biographie Arnulf Rainer:

1929 geboren am 8. Dezember in Baden bei Wien
1948 Begegnung mit Maria Lassnig
1949 Matura in Villach. Aufnahme an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, die er nach einer Kontroverse mit dem Lehrer am ersten Tag verlässt. Danach besucht er drei Tage die Akademie der bildenden Künste in Wien
1950 Begegnung mit Ernst Fuchs, Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hollegha und Josef Mikl. Gründung der Hundsgruppe
1951 Reise mit Maria Lassnig nach Paris
1953/54 Erste Photoposen. Beginn der Werkserie der Übermalungen
Begegnung mit Msgr. Otto Mauer, der 1955 die Galerie St. Stephan gründet (einflussreichste Avantgarde-Galerie)
1963 Beginnt Malerei von Geisteskranken zu sammeln
1968 Grimassenphotos aus Photoautomaten, die er ab1969 überarbeitet
1971 Erste Retrospektive im Kunstverein Hamburg
Teilnahme an der Biennale Sao Paulo
1978 Vertreter Österreichs bei der Biennale Venedig
Mitglied des Österreichischen Kunstsenates
1981 Professor an der Akademie der bildenden Künste, Wien
Mitglied der Akademie der Künste, Berlin
1982 Teilnahme an der „documenta“ in Kassel
1987 Das Museum of Modern Art, New York, erwirbt Hauptwerke
1993 Eröffnung des Arnulf Rainer-Museums in New York
1994 Unbekannte Täter zerstören im Atelier von Arnulf Rainer in der Akademie der bildenden Künste in Wien 26 Gemälde. Danach
1995 Emeritierung auf eigenen Wunsch
2009 Eröffnung des Arnulf Rainer-Museums in Baden bei Wien

Auszeichnungen:

1966 Österreichischer Staatspreis für Graphik
1978 Großer Österreichischer Staatspreis für Malerei
1981 Max Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt
1989 Preis des International Center of Photography, New York
2003 Rhenus Kunstpreis für sein künstlerisches Gesamtwerk
2004 Ehrendoktorat der katholischen Fakultät der Universität Münster, D
2006 Ehrendoktorat der Theologie der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz und
Aragón-Preis für sein Lebenswerk als erster nichtspanischer Künstler

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