Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Ausstellung Josef Bramer

Bramer_920Der poetische Einzelgänger
16. April bis 13. Juni 2011

Diese Ausstellung im INFELD HAUS DER KULTUR ist einem Maler gewidmet, der seinen künstlerischen Weg in unerschütterlicher Eigenständigkeit gegangen ist – „Magischen Realismus“ hat man seinen Stil genannt (in Abweichung vom „Phantastischen Realismus“ seines Lehrers Rudolf Hausner). Seine poetisch anmutenden Werke in seinem unverkennbar feinen Malstil zeigen seine tiefe Liebe zur Natur und immer wieder die von ihm erfundene Darstellung des „Kaspar“, eines Nachfolgers der klassischen Hofnarren alter Zeiten, der lächelnd die Wahrheit sagt, auch wenn sie niemand hören will. Er möchte mit seinen Bildern seiner humanitären Haltung Ausdruck verleihen und etwas bewirken. „Ich muss das machen, was in mir ist. Ich kann mich nicht darum kümmern, ob meine Bilder allen gefallen. Meine Bilder entstehen durch das Leben“ sagt Josef Bramer.

Ein Querschnitt dieser vielschichtigen und komplexen Werke voller Feinheiten und Hintergründe findet in dieser Ausstellung ihren eindrucksvollen Niederschlag. Gezeigt werden Ölbilder, Zeichnungen und Druckgraphiken aus der Sammlung Infeld, ergänzt durch Werke aus dem Eigentum des Künstlers.

Zur Ausstellung

Josef Bramer wurde am 11. Juli 1948 in Wien geboren – aufgewachsen ist er im Mostviertel in Niederösterreich. Er hat schon als Kind gern und viel gezeichnet und als Halbwüchsiger – in einem Alter, wo die meisten auf den Sportplatz oder ins Wirtshaus gingen – ist er oft zu Hause gesessen und hat Kunstdrucke abgezeichnet und sein erstes Selbstporträt angefertigt. Eine verständnisvolle Lehrerin gab den Ausschlag, die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien zu absolvieren. Das Gebrauchsgrafische machte ihm jedoch weniger Freude als Akt- und Naturzeichnen, so studierte er anschließend an der Akademie der bildenden Künste in der Meisterklasse bei Prof. Rudolf Hausner.

Er heiratet früh, seine Familie bedeutet ihm nach wie vor sehr viel, was die zahlreichen Zeichnungen, Skizzen und Bilder seiner Frau Vroni und den vier Kindern beweisen. Er ist von der Natur geprägt, von der Landschaft seiner Heimat – Wald und Bäume sind häufig auf seinen Bildern zu finden, ebenso wie die von ihm erfundene besondere Form der Selbstdarstellung, der „Kaspar“, seine bekannte Hauptfigur, der auf Widersprüche und tiefere Bedeutung in seinen Bildern hinweist. Die Kunsthistorikern Angelica Bäumer beschreibt ihn als „Jene selbstbildhafte Figur, die stellvertretend für den Menschen ist, der auch unbequeme Wahrheiten sagen kann. Der Hofnarr alter Zeiten, der möchte er sein, weise und einflussreich, den Mächtigen möchte er zeigen, dass sie sich manchmal verirren in ihrer Eitelkeit und ihrem Machtbewusstsein. Aber die Mächtigen unserer Zeit wollen keine klugen Hofnarren, sie hören selten auf den Rat der Vernunft und schon gar nicht auf den Ruf der Poesie. Trotzdem ist „Kaspar“ nicht resigniert, er ist melancholisch, verliert aber nicht die Hoffnung. Ein Narr vielleicht, aber ein Mensch.“

Sein Malstil ist eigenständig und keinem Zeitgeist unterworfen. Er selbst zählt sich eher zu den Kammermusikern als zu den Popstars seiner Zunft. Er malt in einer perfekten Feintechnik mit bewusster Farbgebung und einem klaren Bildaufbau. Bereits als junger Schüler der Graphischen faszinierte ihn die technische Perfektion der alten Meister wie Holbein, Spitzweg oder Amerling. Zusammen mit seinem Kollegen Gottfried Helnwein bemühte er sich um die technischen Grundlagen zur Perfektionierung der eigenen Arbeiten und ihm wurde klar, dass diese Art der Malerei die seine werden sollte. Die Perfektion blieb ihm wichtig und auch die Farbe spielt eine bedeutende Rolle in seinen Bildern, an denen er oft tage- und wochenlang hunderttausende feinste Pinselstriche mit verlässlichem Können setzt. Seine einfach und klar wirkenden Bilder zeigen die Schönheit unversehrter Natur, doch genau diese Harmonie möchte er durch eine Unruhe im Bild stören, um den Betrachter nachdenklich zu machen und seine kleinen oft doppelbödigen, poetischen Geschichten, die er vermitteln möchte, zu verstehen.

Anfänglich begeisterte die Sammlerherzen von Peter und seiner Mutter Margaretha Infeld die faszinierende Technik und die fotografische Genauigkeit von Josef Bramers Arbeiten. Doch bald erkannten sie, hier einen stillen sensiblen Mahner und Lehrer vor sich zu haben, einen Künstler, dem sie lebenslänglich freundschaftlich verbunden bleiben sollten.

„Ich könnte mir nicht vorstellen, Bilder zu malen, wenn ich nicht etwas vermitteln möchte. Ich hätte sicherlich den „Baum“ nicht gemalt und nicht den „Wald“. In einer hektischen Zeit, in der sich niemand mehr die Zeit und die Ruhe nimmt, ein Erlebnis zu vertiefen, geduldig an etwas zu arbeiten und nicht nach dem schnellen Erfolg zu greifen, ist es ja schon außergewöhnlich, sich wochenlang vor die Staffelei zu setzen und einen Wald in diesem Format und dieser Technik zu malen. Aber gerade damit will ich den Leuten zeigen, was wichtig ist, und dass es letztlich nicht um den gemalten, ja nicht einmal um den wirklichen Wald geht, sondern dass dieser Wald stellvertretend ist für die unvergänglichen Werte wie Luft, Licht, Wärme, Schönheit – Leben.“ sagt Josef Bramer.

Seine Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland zu finden. Josef Bramer lebt und arbeitet in Wien, Scheibbs und auf Korfu.

Biografie / Auszeichnungen:
1948 am 11. Juli in Wien geboren
1965 – 68 Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, Wien
1969 – 71 Akademie der bildenden Künste, Wien, Meisterklasse Prof. Rudolf Hausner
1971 Meisterschulpreis der Meisterklasse Rudolf Hausner
1973 Künstlerporträt im ZDF
1983 – 86 Lehrauftrag bei Rudolf Hausner
1991 Rettungsaktion „Breiten Föhre“, Anninger bei Mödling
1996 Kulturpreis der Stadt Scheibbs
2004 Sonderbriefmarke der Österreichischen Post
2007 Verleihung Berufstitel Professor
2008 Goldenes Ehrenzeichen um Verdienste um das Bundesland Niederösterreich
Ausstellungen (Auswahl):
1971 Galerie Nagl, Künstlerhaus, Galerie im Stock, Wien
1972 Finanzministerium, Pressehausgalerie, Wien; Rathaus Scheibbs
1973 Galerie Academia, Salzburg; Zentralsparkasse, Galerie Zentrum, Wien
1974 Galerie „G“, Steyr; Galerie Hartmann, München; Kunstmesse Düsseldorf
1975 Galerie Zentrum, Wien
1976 Kunstmesse Düsseldorf
1977 Galerie Zentrum, Wien
1978 Kunstverein Iserlohn, D; Ausstellung „Contemporary“, USA
1979 Grand Palais, Paris; Postsparkasse, Wien; Museum Dortmund
1980 Kunstmesse Basel; Galerie Hilger, Wien; „Bilder einer Landschaft“, Amsterdam;
Ausstellung bei den Scheibbser Wochen
1982 Rathaus, Stockerau; Galerie Infeld, Wien
1983 Galerie Gärtner, Berlin; NÖ Art Galerie, Wien
1998 Frauenbad, Baden (zum 50. Geburtstag)
2003 Alpen-Adria-Galerie, Klagenfurt; Minoritenkloster, Tulln; Freilichtmuseum Gerersdorf
2008 Landesmuseum Niederösterreich, St. Pölten (zum 60. Geburtstag);
Sparkasse, Scheibbs

www.infeld.net

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