Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Ausstellung Werke französischer, italienischer & spanischer Meister

16. Juni bis 26. August 2012

Die heurige Sommerausstellung bietet dem Besucher eine imaginäre Kunstreise in die mediterranen Länder Italien, Frankreich und Spanien, die in der europäischen Kunstgeschichte richtungsweisend sind. Rare Blätter großer Meister dieser Länder werden aus der umfangreichen Sammlung Peter Infelds präsentiert. Die Originale und druckgraphischen Arbeiten von Miró, Chagall, Picasso, Dalí, Braque, Utrillo, André Masson, Renato Guttuso, Sandro Chia, Marino Marini und vielen anderen bedeutenden Künstlern wurden großteils bisher im Infeld Haus der Kultur noch nie ausgestellt.

Von Salvador Dalí ist zum Beispiel die aufwändige Umsetzung von Aquarellen in Holzschnitte zum Thema „Göttliche Komödie“ zu sehen. Um die aquarellhafte Wirkung zu erzielen, arbeiteten zwei französische Holzschnitt-Künstler jahrelang an der Erstellung von bis zu 40 Druckstöcken aus massivem, besonders hartem Buchsbaumholz, um die von Dalí gewünschten Farbnuancen der einzelnen Blätter zu erreichen.

Kurze Biographien der wichtigsten ausgestellten Künstler:

Frankreich

George Braque

(1882 – 1963)

wurde in einem Vorort von Paris als Sohn eines Dekorationsmalers geboren. Er war Maler, Bildhauer und Grafiker. Nach einer frühen fauvistischen – „Fauves“ (französisch: Wilde) – Schaffensphase war Braque zusammen mit Pablo Picasso der Mitbegründer des Kubismus. In seinem Spätwerk setzte er sich mit Glasfenstern, Lithografien und signifikanten Holzschnitten auseinander. Er starb 1963 in Paris.

Marc Chagall

(1887 – 1985)

wurde 1887 als ältestes von 9 Kindern einer jüdischen Familie in Weißrussland geboren. Er geht 1910 für 4 Jahre nach Paris, kehrt bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Russland zurück und übersiedelt 1923 endgültig nach Paris. Sein Malstil setzt sich aus Fauvismus und russischer Volkskunst  zusammen. Hauptthemen seiner Motive sind das familiäre Umfeld, sein Heimatort, die Bibel und der Zirkus. Er schuf zahlreiche Bühnenbilder, gestaltete die u.a. die Deckengemälde für die Pariser Oper und Wandgemälde für die Metropolitan Opera in New York und schuf die Glasfenster für die Kathedralen von Metz, Reims und den Kölner Dom.  Chagall gilt als einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts, wird oft dem Expressionismus zugeordnet und wird als „Maler-Poet“ bezeichnet. Er starb 97jährig in Südfrankreich.

Jean Cocteau

(1889 – 1963)

kam 1889 in der Nähe von Paris zur Welt. Er war Schriftsteller, Regisseur, Maler und Zeichner. Mit 17 Jahren veröffentlichte er seine ersten Gedichte, Seine Liebe gilt vor allem dem Theater und Film, was sich in seinen Zeichnungen widerspiegelt. Ab 1948 verwirklicht er seine künstlerischen Ideen auch auf Gobelins und großen Wandgemälden, später widmet er sich Kapellenfresken und Mosaiken sowie grotesken Skulpturen und Gefäßdekorationen aus Keramik. Seine filmischen Hauptwerke wie „La Belle et la Bête“ (1946), „Orphée“ (1950) und viele andere, für die er Drehbücher schrieb und teilweise auch Regie führte, machten ihn darüber hinaus berühmt. Zudem schrieb und inszenierte er eigene Theaterstücke und entwarf zuweilen Ausstattungen. Das Multitalent Jean Cocteau starb1963 bei Paris.

Leonor Fini

(1908 – 1996)

wurde 1908 in Buenos Aires geboren und kam bereits 1 Jahr später mit ihrer Mutter nach Triest, wo sie aufwuchs. Eine akademische Ausbildung hatte sie nicht. 1925 zog die Autodidaktin für einige Jahre nach Mailand, wo erste Porträt-Auftragsarbeiten entstanden. 1937 besuchte sie erstmals Paris und nahm an einigen großen Surrelisten-Ausstellungen teil. Danach lebte sie in Monte Carlo, wo eine Reihe Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Jean Genet, Anna Magnani, Jaques Audiberti entstanden. Mit der Arbeit an Bühnenbildern und Kostümen für das Ballet „Le Palais de Cristal“ von George Balanchine für die Pariser Oper begann Leonor Finis Arbeit für Theater, Ballett und Oper, die sie für den Rest ihres Lebens begleitete. Mit 87 Jahren starb sie in Paris.

André Masson

(1896 – 1987)

wurde 1896 in einem Dorf der Ile de France  geboren. Er war Maler, Grafiker und Bildhauer. Er studierte in Brüssel und ab 1912 in Paris. Er meldet sich zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und wird 1917 schwer verwundet. Anfangs war Masson vom Kubismus beeinflusst. 1924 schloss er sich den Surrealisten an, 1925 findet die erste Ausstellung statt, doch fünf Jahre später verlässt er die Gruppe wieder. Er beschäftigt sich zu einem Großteil mit Buch-Illustrationen und Bühnenbildern. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebt er in Spanien, emigrierte dann 1942 in die USA (zeitweise lebte er auch auf Martinique) und kehrt 1945 wieder nach Frankreich zurück. André Masson war Teilnehmer der documenta I (1955), documenta II (1959) und documenta III (1964) in Kassel. Er starb 1987 in Paris.

Man Ray

(1890 – 1976)

wurde in Philadelphia, USA, als Emanuel Radnitzky geboren und kam 1921 nach Paris, wo er bis 1940 blieb. Danach emigrierte er bis 1951 in die USA, um danach wieder nach Paris zurückzukehren.  Er war Fotograf von Weltruhm, Filmregisseur, Maler,  Zeichner, Grafiker und Objektkünstler. Er zählt zu den bedeutenden Künstlern des Dadaismus und Surrealismus, wird aber aufgrund der Vielschichtigkeit seines Werkes allgemein der Moderne zugeordnet und gilt als wichtiger Impulsgeber für die moderne Fotografie und Filmgeschichte bis hin zum Experimentalfilm. Seine zahlreichen Porträtfotografien zeitgenössischer Künstler dokumentierten die Hochphase des kulturellen Lebens in Paris. Er starb 1976 in Paris.

Georges Rouault

(1871 – 1958)

wurde 1871 in Paris geboren. Die Stilrichtung oder Schule des Malers und Grafikers lässt sich schwer bestimmen, er gehörte jedoch zum Kreis um die École de Paris und wird gelegentlich den Fauvisten zugeordnet. Neben zahlreichen Gemälden und Grafiken betätigte er sich als Bühnenbildner, schuf Tapisserien und Glasmalereien, fertigte Keramiken und Emailarbeiten an. Er starb 1958 in Paris.

Maurice Utrillo

(1883 – 1955)

wurde 1883 als unehelicher Sohn der Künstlerin Suzanne Valadon  in Paris geboren.  Schon als Jugendlicher war er alkoholkrank und machte als 17jähriger eine Entziehungskur. Von seiner Mutter zum Malen und Zeichnen angehalten war er auf Anhieb erfolgreich. Vom Impressionismus ausgehend wurde Utrillo zum bekanntesten Schilderer von Paris mit poetischen Interpretationen der Straßen und Plätze – seine Bilder entstanden nach der Natur oder nach Postkarten. Er starb 71jährig bei einem Kuraufenthalt in Dax, Frankreich.

Louis Vivin

(1861 – 1936)

wurde in den französischen Vogesen als Sohn eines Lehrers geboren. Schon in seiner Kindheit begeisterte er sich für Malerei, doch seinen Unterhalt verdiente er  sich als biederer Postbeamter bis 1922 in Paris. Vivin gilt als Klassiker der naiven Malerei Frankreichs und zählt gemeinsam mit Henri Rousseau, Camille Bombois, André Bauchant, René Rimbert und Séraphine Louis zu den „Malern des heiligen Herzens“. Nach einem Schlaganfall 1934 blieben die Zunge und sein rechter Arm gelähmt, er musste das Malen aufgeben und starb 2 Jahre später in Paris.

Italien

Bruno Bruni

(1935 – )

wurde 1935 bei Pesaro, Italien, geboren. Er stammt aus einfachen Verhältnissen, besuchte das Instituto de arte in Pesaro und ging 1960 nach Hamburg, um dort an der Kunsthochschule zu studieren. Mit seinen überwiegend figurativen Motiven hat er sich als Zeichner, Lithograf, Maler und Bildhauer schon in den 1970er Jahren international einen Namen gemacht. Bruno Bruni lebt und arbeitet in Hamburg und ist einer der bekanntesten italienischen Künstler in Deutschland.

Massimo Campigli

(1895 – 1971)

wurde 1895 als Max Ihlenfeld geboren, war ein deutsch-italienischer Journalist, Maler und Grafiker, der unter anderem dem Kubismus zuzuordnen ist. Seine Malerei wurde stark von Eindrücken altägyptischer Kunst beeinflusst, die er in Museen besichtigte. Er zog 1909 nach Mailand, knüpfte dort erste Künstlerkontakte und übersiedelte 1939 er nach Venedig, wo überwiegend Grafiken entstanden. 1963 zog er nach St. Tropez in Südfrankreich, wo er 1971 starb.

Sandro Chia

(1946 – )

wurde 1946 in Florenz geboren. Er ist ein zeitgenössischer italienisch-US-amerikanischer Künstler und Hauptvertreter der postmodernen italienischen Transavantgarde neben Enzo Cucchi und Mimmo Paladino. Er beschloss bereits als Kind, Maler zu werden, studierte in Florenz und unternahm zahlreiche Reisen nach Indien, in die Türkei und durch Europa. Er schöpft in seiner Bildsprache aus einem eklektizistischen Fundus und zitiert in seinem Werk gern frühere Kunstepochen und Strömungen  wie italienischer Manierismus, Kubismus, Futurismus oder Fauvismus.

Er lebt und arbeitet in Rom und New York.

Renato Guttuso

(1911 – 1987)

wurde Ende 1911 in Sizilien geboren. Er war Maler, Zeichner, Illustrator, Bühnenbildner, Kunstkritiker, Essayist und linker Politiker. Sein moralisch motivierter Realismus entwickelte sich durch die Auseinandersetzung mit den historischen und zeitgenössischen Realismen und dem Werk Pablo Picassos. Picassos „Guernica“ trug er immer in seiner Brieftasche mit sich –  für ihn ein Schlüsselwerk einer politisch verantwortungsvollen Kunst. Er entdeckte schon als Kind seine Liebe zur Malerei und blieb im Wesentlichen Autodidakt. Er starb 1987 in Rom.

Amadeo Modigliani

(1884 – 1920)

wurde in Livorno geboren. Er war Zeichner, Maler und Bildhauer. Berühmt wurde er vor allem durch seine Aktgemälde, die zu seiner Zeit als skandalös empfunden wurden und erst später Akzeptanz fanden. Seine Jugend verbrachte er in Italien, wo er die Kunst der Antike und Renaissance studierte, bis er 1906 nach Paris zog. Sein Leben war von Lungenkrankheiten geprägt und er starb nur 35jährig in Paris. Sein Gesamtwerk umfasst vor allem Gemälde und Zeichnungen, er widmete sich jedoch auch der Bildhauerei und dem Kupferstich. Als Hauptmotiv galt ihm vor allem der Mensch. Während seines kurzen Lebens hatte er nur wenig Erfolg mit seiner Kunst, erst nach seinem Tod erreichte er Berühmtheit und seine Werke erzielen hohe Preise.

Gino Severini

(1883 – 1966)

wurde in Arezzo geboren. Er besuchte Abendkurse in Rom, ging 1906 nach Paris und unterzeichnete 1910 das „Futuristische Manifest“. In Paris hatte er Verbindung mit Amadeo Modigliani und den Kubisten. Sein Stil ist stark vom Impressionismus und Kubismus geprägt. Severini war Teilnehmer der documenta I (1955) und der documenta III (1964) in Kassel. Einige seiner Werke sind im Pariser Musée de l’Orangerie ausgestellt. Vom italienischen Staat erhielt er den Verdienstorden der Republik Italien. Er starb 1966 in Paris.

Spanien

Salvador Dalí

(1904 – 1989)

wurde 1904 in Figueres, Katalonien geboren. Er zählt als Hauptvertreter des Surrealismus zu den bekanntesten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Psychoanalyse von Sigmund Freud spielte in seinem künstlerischen Werk eine bedeutende Rolle. Die Welt des Unbewussten, die in Träumen erscheint – schmelzende Uhren, Krücken, brennende Giraffen – wurden zu Dalís Markenzeichen. Sein technisches Können im altmeisterlichen Stil erinnern an den späteren Fotorealismus. Außer der Welt des Traums sind seine häufigsten Themen Rausch, Fieber, Religion und oft ist in seinen Gemälden auch seine Frau Gala dargestellt. Der vielseitige exzentrische Surrealist lebte nach Aufenthalten in England  und den USA mit seiner Frau und Muse Gala an der spanischen Mittelmeerküste, wo er 1989 starb. Noch zu seinen Lebzeiten schuf er sich in seinem Geburtsort Figueres ein eigenes vielbesuchtes Museum.

Joan Miró

(1893 – 1983)

wurde 1893 bei Barcelona geboren. 1915 begann er zu malen, basierend auf der katalanischen Volkskunst und beeinflusst von Kubismus und Fauvismus. In den 1920er Jahren vollzog er in Paris – durch die dort herrschenden Kunstströmungen Dadaismus und Surrealismus – einen grundlegenden Stilwechsel, der ihn von der Gegenständlichkeit wegführte. Seine magischen Symbole für Mond, Sterne, Vogel, Auge und Frau zählen zu den bekanntesten Elementen seiner Kunst. Im öffentlichen Raum gestaltete er unter anderem Keramikwände am UNESCO-Gebäude in Paris; Monumentalskulpturen stehen in Barcelona und Chicago. Weltweit wurden dem wichtigsten Vertreter der Klassischen Moderne unzählige Ausstellungen gewidmet. 1983 starb der  Grafiker, Bildhauer und Keramiker als einer der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts 90jährig in Palma de Mallorca.

Pablo Picasso

(1881 – 1973)

wurde als Pablo Ruiz Picasso 1881 in Málaga geboren. Die Werke seiner Blauen und Rosa Periode und die Begründung des Kubismus (zusammen mit George Braque) bildeten den Beginn einer außerordentlichen Künstlerlaufbahn. Zu den bekanntesten Werken zählt das Gemälde „Les demoiselles d’Avignon“ (1907) – es avancierte zum Schlüsselbild der Klassischen Moderne – und seine künstlerische Umsetzung der Schrecken des Spanischen Bürgerkrieges im Monumentalgemälde „Guernica“ (1937). Seine Lithografie „Die Taube“ – ausgewählt für das Plakat des Pariser Weltfriedenskongresses 1949 –  wurde weltweit zum Friedenssymbol. Picasso ist neben Salvador Dalí ein Künstler des 20. Jahrhunderts, für dessen Oeuvre bereits zu Lebzeiten zwei Museen errichtet wurden (Museo Picasso in Barcelona und Musée Picasso in Antibes). Der Künstler hinterließ ein Gesamtwerk von ca. 50.000 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Keramiken. Picasso starb 1973 in Mougins bei Cannes und wurde im Garten seines Schlosses beigesetzt.

INFELD HAUS DER KULTUR

Parkstraße 13

7131 Halbturn / Burgenland

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen 13 – 18 h

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