Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Miletits Johann

Johann Miletits ist ein Veränderungskünstler, sein Oeuvre ein Panorama heiterer, aufregend nihilistischer, unbeschert kritischer und intelligenter Analysen. Er hinterfragt autoritäres Gebaren, entlarvt die Plattitüden des politischen Parketts, steinigt den Ausverkauf der Bildungsgesellschaft und macht sich lustig über die pseudokulturelle Gockelhaftigkeit seiner Zeitgenossen. Funktionslos gewordene Gegenstände, Ausrangiertes und Gerümpel setzt er neu zusammen. In Kittsee zeigt er Objekte aus alten bäuerlichen Geräten. Ein Abgesang an die bäuerliche Kultur. Als ob ihnen ein Läuterungsprozess innewohnte, strahlt die Unmittelbarkeit seiner Objekte eine schlichte, ja humorvolle Natürlichkeit aus. Im Grunde genommen handelt es sich nur eine neue Form für eine alte Sache.
Dabei ist der 1952 in Siegendorf Geborene und heute in Kaisersdorf Lebende durch und durch Ästhet. Ein Diogenes, der von der Banausenhaftigkeit unserer Zeit erzählt. In seiner Eisenstädter „Auslage“ in der Pfarrgasse inszeniert er Aufregungen und Reflexionen. Hier geht es ihm um eine substanzielle Kritik der zunehmenden Lähmung der Kulturpolitik und der Unfähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.
Er demaskiert die inflationäre Oberflächlichkeit und Hohlheit, wettert gegen Anpassung und Dummheit und die Verödung und Mechanisierung des Alltags. 1977 erschien sein kritisches Wienbuch „Die Stadt“. Zur Zeit arbeitet er an einem neuen Titel „Das Buhbonzenland“.Miletits geht es nicht um l’art pour l’art (Kunst als Selbstzweck), seine Kunst ist eine sehr konkrete Kunst. Reduziert, eindeutig, klar definiert. Sie will nicht beeinflussen, nicht suggerieren. Sie möchte befreien von allen Dingen, die belasten. Miletits ist auch nicht einer, der alles verhöhnt. Aus allem lässt sich eine Hoffnung, eine Sehnsucht, Positives heraushören. Johann Miletits reicht uns Lupen und hält sie uns unter die Nase. Miletits – ein Eulenspiegel, ein Meister der Ironie, des Sprachwitzes und der skurrilen Groteske.

(Bernhard Dobrowsky)

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