Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Sven Regener – Neue Vahr Süd

Sven Regener – Neue Vahr Süd

Klappentext
Wir befinden uns im Jahre 1980 in der Neuen Vahr Süd, einem ganz und gar nicht pittoresken Neubauviertel im Osten von Bremen. Für Frank Lehmann, dergerade seine Lehre beendet hat, noch immer bei seinen Eltern wohnt und irgendwie vergessen hat, den Wehrdienst zu verweigern, wird es ein hartes halbes Jahr. Zwar gelingt ihm nach einem Streit der Auszug aus dem Elternhaus in eine chaotische Wohngemeinschaft, aber ein neues Zuhause hat er damit noch lange nicht gefunden, und die Neue Vahr Süd holt ihn immer wieder ein. Und während Frank – noch immer rätselnd, wie es so weit kommen konnte – in der Kaserne strammstehen, Hemden auf Din A4 falten und durchs Gelände robben muss, streiten seine Freunde für ihre Version der proletarischen Weltrevolution, gegen Militär und Aufrüstung und um die energische Sibille, ohne diese allerdings vorher nach ihrer Meinung gefragt zu haben. Hin- und hergerissen zwischen Auflehnung und Resignation kämpft Frank Lehmann hart am Abgrund und mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln für eine eigene, würdige Existenz zwischen zwei widersprüchlichen Welten.

Rezension
Herr Lehmann ist wieder da! Neun Jahre jünger, heißt Herr Lehmann noch Frank Lehmann, ist gerade 20 und wohnt noch immer bei seinen Eltern in Bremen.
Sven Regener erzählt ein halbes Jahr aus dem Leben von Frank Lehmann. Von seinem Auszug bei den Eltern und dem Einzug in eine Wohngemeinschaft mit Genossen aus diversen K-Gruppen und Punkern. Lehmanns persönliches Kontrastprogramm zum Bundeswehralltag samt Drill und Schikanen.
Mit „Neue Vahr Süd“ trifft Sven Regener den Ton der 80er Jahre sehr genau, die Langeweile in der Provinz, begleitet von endlosen Debatten wie und wogegen man sich engagieren soll. Dem Musiker und Schriftsteller ist es auf eine äußerst humorvolle, leichte Art gelungen, die Atmosphäre dieser Zeit einzufangen.
Sven Regener verzichtet in seinem zweiten Buch auf Detail-Beobachtungen und setzt auf Dialoge: Wie seine Romanfiguren reden, argumentieren oder streiten – reicht völlig aus, um sich ein Bild zu machen. Denn man kennt diese Gestalten, und kann sich in das Geschehen reinversetzen.
Sven Regener hat einen Schelmenroman voller Sprachwitz geschrieben. Sein Held pendelt zwischen zwei Welten mit Kasernenhofgebrüll auf der einen Seite und Diskussionen um Dialektik auf der anderen Seite. Dazwischen Frank Lehmann, der kauzige Querulant und sympathische Sinnsucher, der immer erst um vier Ecken denkt, im alten Opel Kadett auf der Suche nach sich selbst: Bier schmeckt ihm eigentlich gar nicht – oder erst nach einer gewissen Menge – und auch das Rauchen muss er sich noch mühsam angewöhnen. Frank Lehmann wird erwachsen.
Der beste Texter deutscher Rockmusik etabliert sich mit seinem zweiten Roman spielend leicht in der Riege erfolgreicher deutscher Literaten.
Das Leben des Frank Lehmann ist übrigens als Trilogie angelegt, der dritte Teil folgt demnächst.
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Der Literat der Single-Generation
Sven Regener wurde 1961 in Bremen geboren. Nach Schulbesuch, Bundeswehr- und Zivildienst kam er über Hamburg nach Berlin. 1982 nahm er seine erste LP mit der Band „Zatopek“ auf. 1984 kam er zur Band „Neue Liebe“, einer Art Punk-Funkband mit Kunstanspruch und vielen Bläsern. Nach deren Auflösung gründete er 1985 mit anderen die Band „Element of Crime“, die mit deutschsprachigen Alben wie „Damals hinterm Mond“ und „Weißes Papier“ eine große Popularität erlangte. Sven Regener ist Sänger, Texter und Trompeter der Gruppe.

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