Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Auf Spurensuche in der Musikgeschichte der Esterházy

Die Konzertreihe der Liebhaber-Concerte erweckt vergessene Musiktraditionen zu neuem Leben und präsentiert restaurierte Instrumente aus den Esterházy Sammlungen.

Auch wenn Joseph Haydn stets Mittelpunkt der musikalischen Geschichte bei Esterházy war, gab es in Eisenstadt neben und nach ihm ein reges musikalisches Geschehen. Die Musikreihe der Liebhaber-Concerte belebt diese vergessenen Musiktraditionen und erweckt historische Instrumente aus der Sammlung Privatstiftung Esterházy zu neuem Leben.

Im Mittelpunkt des ersten Konzertes am 6. April steht ein Violoncello von Antony Posch um 1720, das erst im Jahr 2008 wieder entdeckt wurde. Das Instrument befand sich in originalem Zustand, war aber sehr durch Lagerung und Wurmfraß in Mitleidenschaft gezogen. Sorgfältig und liebevoll restauriert wurde es in der Werkstatt von Gerlinde Reutterer. Obwohl sich eine Vielzahl von Bassinstrumenten von Antony Posch erhalten hat, ist das übergroße Violoncello eines der ganz wenigen Instrumente dieser Art. Zum ersten Mal seit fast 150 Jahren wird der unvergleichliche Klang dieses Cellos wieder den Haydnsaal erfüllen.

Ein seltenes Cello – gebaut um 1720, gefunden 2008
Obwohl sich neben der Musik Haydns auch viele Archivalien und Gegenstände aus seinem Umfeld erhalten haben, sind die Streichinstrumente aus „seinem“ Orchester, der Esterházyschen Hof-Kapelle, fast ausnahmslos verschollen. Von den ca. 20 Geigen und Bratschen, die alleine zu Haydns Zeit als Kapellmeister angekauft wurden, haben sich nur einige wenige Einzelteile erhalten.

Zum Zeitpunkt des Ankaufs des Cellos gibt es einige Hinweise: Bereits 1714 wurde der Esterházysche Kapellmeister Wenzel Zivilhofer mit dem Ankauf eines „Tanz-Bassetls“ (ein Cello für die Tanzmusik) in Wien beauftragt. Allerdings ist ungewiss, ob dieses Instrument auch tatsächlich bei Antony Posch gekauft wurde. Im November 1728 quittierte Antony Posch jedenfalls eigenhändig für den Erhalt von 26 Gulden für den Verkauf eines „Bassetl“ (Violoncello) an den Esterházyschen Hof. Danach gibt es keine weiteren Ankäufe von Violoncelli bis ins Jahr 1783.

Interessant ist die Frage, wie ein Cellist diesen mächtigen Korpus ohne Stachel zum Stützen des Instrumentes spielte. Die starken Abnutzungserscheinungen an der Unterseite des originalen Endknopfes lassen den Schluss zu, dass das Instrument beim Spielen am Boden aufgestützt wurde.

Was die Nutzungsgeschichte des Instruments anbelangt, lässt sich nur vermuten, in welchen Bereichen das Instrument eingesetzt wurde. Wahrscheinlich ist sein Einsatz im Kirchendienst. Am Chor der Eisenstädter Schlosskapelle gab es dafür laut Aufzeichnungen ein eigenes Cello, das um 1800 mehrmals repariert wurde.

Das vorliegende Instrument scheint in einem Inventar von 1842 als nicht mehr in Gebrauch befindlich auf. Im Jahr 1866 wird die Hofkapelle, bestehend nur noch aus einer Handvoll Musiker, endgültig aufgelöst. Die Streichinstrumente lagerten teils in Esterháza, teils in Eisenstadt, und gingen in den Nachkriegswirren des Zweiten Weltkriegs größtenteils verloren.

Die Künstler des 1. Konzertes: Das amaranth ensemble
Samstag, 6. April, 19:30 Uhr, Haydnsaal

Das Ensemble besteht aus jungen Musikern, die alle an europäischen Musikuniversitäten studiert und ihre Konzerterfahrung in zahlreichen Ensembles für Alte Musik gewonnen haben. Dabei haben sie sich ihr Repertoire an Werken des 17. und 18. Jahrhunderts angeeignet. Die Mitglieder stammen aus den Ländern der ehemaligen Donaumonarchie – Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien, sowie aus Deutschland. Künstlerischer Leiter und Gründer des Ensembles ist der Barockcellist Michal Stahel. Mit ihm ist die Esterházy Privatstiftung 2009 eine Instrumentenpatenschaft eingegangen. Stahel zählt zu den stärksten künstlerischen Persönlichkeiten unter den derzeit aufstrebenden Cellisten. Seine Auftritte und sein Spiel sind geprägt von Temperament, musikalischer sowie technischer Souveränität, Kenntnis stilistischer Gegebenheiten und ausgezeichnetem Geschmack.

Gespielt werden an diesem Abend Werke von Nicola Porpora, Joseph Umstatt u.a. – erstmals zu hören am Violoncello von Antony Posch aus dem Jahr 1720.

Ausblick: „Dem Sturme folgt die Heiterkeit, und lacht“
Samstag, 6. Juli, 19:30 Uhr, Haydnsaal

Das zweite Konzert der Reihe steht ganz im Zeichen von Joseph Weigl, dem Eisenstädter Komponisten und Patenkind Joseph Haydns. Der Lieder- und Arienabend mit dem amerikanischen Tenor Donald George (La Scala, Opéra Bastille, Deutsche Oper Berlin, Wiener Staatsoper, u.v.a.) und der Pianistin Lucy Mauro am 6. Juli verspricht für die Liebhaber von Liedern ein besonderes Erlebnis zu werden.
Preise von € 18,00 bis € 45,00.

Alle weiteren Infos, Termine etc. unter www.esterhazy.at

Leave a Response

You must be logged in to post a comment.