Fulminanter Auftakt der 23. Internationalen Haydntage

0

Das diesjährige Haydnfestival steht unter dem Motto „Haydn und Die Neue Welt“ und ist sozusagen eine 11-tägige Kreuzfahrt, die Künstler und Publikum in die Neue Welt des amerikanischen Kontinents entführt. Es ist eine spannende Suche nach den musikalischen Spuren, die Joseph Haydn jenseits des Atlantiks hinterlassen hat, obwohl der Komponist nie selbst in Amerika war.

Eröffnung der 23. Internationalen Haydntage (8. September 2011)
Wenn sich die Kraft der Musik mit atemberaubenden Bildern vereint und Tausende von Würfeln durch den Haydnsaal wirbeln, dann macht dies auf wunderbare Weise sprachlos. Zur Eröffnung der 23. Internationalen Haydntage wagte sich Intendant Walter Reicher auf neues Terrain. Diesmal sollten nicht nur die Ohren verwöhnt werden, das Konzert sollte auch ein visuelles Erlebnis werden. Das Ars Electronica Futurelab hatte in Kooperation mit der Orchester Akademie Ossiach Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ mit beeindruckenden Bildern untermalt, die unter anderem aus den Archiven der NASA stammten. Bei Haydns Paukenschlagsymphonie erfüllten 3D-Projektionen aus Wellen, Würfeln und Ellipsen den Saal. Das Publikum war begeistert und beschenkte die Künstler mit minutenlangem, frenetischem Applaus und Bravo-Rufen.

Die Schöpfung (9. September 2011)
Nach dem umjubelten Auftakt, stand tags darauf Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auf dem Programm. Dementsprechend groß war der Andrang auf die Konzertkarten. Diejenigen, die ein Ticket ergattern konnten, erlebten einen bestens gelaunten Trevor Pinnock am Pult des Orchestras of the Age of Enlightenment, der es besonders vermochte, Orchestra and Choir of the Enlightenment zu Höchstleistungen zu bringen. Die glänzenden Solisten ragten sogar noch heraus und gestalteten ihre Partien vortrefflich. Dirigent, Solisten und Chor wurden vom Publikum kaum von der Bühne entlassen, der Schlussapplaus wollte nicht abebben.

O Amor Brazileiro (10. September 2011)
Die erste Konzertmatinee der diesjährigen Haydntage entführte ihre Besucher nach Brasilien. Pünktlich zum musikalischen Reisestart kehrten die Sonne und das gute Wetter in die Haydnstadt zurück. So eingestimmt, konnte man den Reiseerlebnissen von Haydns Lieblingsschüler Sigismund Ritter von Neukomm lauschen, dem Manuel Dragan seine Stimme lieh. Die Reiseanekdoten wussten die beiden Sopranistinnen Marivi Blasco Peres und Francesca Lombardi, von Aaron Carpene am Klavier begleitet, trefflich mit Canzonetten und Modinhas von Neukomm zu pointieren. Alles in allem ein sehr kurzweiliger Samstagvormittag.

Madame Mara´s Night (10. September 2011)
Die Vorfreude auf diesen besonderen Konzertabend war unter den Besuchern zu spüren. Christina Landshamer, die ihre Zuhörer bereits in Haydns „Schöpfung“ tags zuvor begeisterte, wurde schon nach ihrem ersten Auftritt mit viel Applaus von der Bühne entlassen. Trevor Pinnock und das Orchestra of the Age of Enlightenment genossen es sichtlich, Haydns Londoner Konzertprogramm bei Madame Mara im Haydnsaal aufzuführen – ein ganz besonderer Abend, war man sich einig.

Fandango all´Italiano (11. September 2011)
Ausnahmemusiker und italienisches Temperament waren für diesen Konzertabend angekündigt und dies wurde mehr als eingehalten. Der Cellist Giovanni Sollima war unumstrittener Star der ersten Konzerthälfte in der Boccherinis Streichquintett D-Dur „Fandango“ und Haydns Cellokonzert D-Dur zu hören waren. Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum den Cellisten von der Bühne. Im zweiten Tei gehörte die Aufmerksamkeit ganz den Musikern von Il Giardino Armonico und ihrem Dirigenten Giovanni Antonini. Auch sie wurden vom Publikum frenetisch gefeiert.

Ausblick auf die zweite Festivalwoche

Siemens Schülermatinee (12. September 2011)
Die zweite Festivalwoche startet mit der Siemens Schülermatinee. Im musikpädagogischen Projekt „Peppo erlebt die Jahreszeiten“ führt eine Erzählerin mit Handpuppe als Identifikationsfigur durch das Konzert. Die Harmoniemusik für Bläserensemble aus dem Oratorium „Die Jahreszeiten“ lässt die Zeit Josephs Haydns für die Kinder lebendig werden.

Symposium (13. – 15. September 2011)
Vom 13. bis zum 15. September beschäftigt „Haydn & Die Neue Welt“ auch Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Bei einem internationalen Symposium im HaydnZentrum Eisenstadtgehen die Teilnehmer den vielschichtigen Verflechtungen des Komponisten mit der Neuen Welt und seiner Sehnsucht nach der Ferne vertiefend nach.

Argentinische Sonne (13. September 2011)
Am Abend des 13. September geht im Haydnsaal die Sonne Argentiniens auf. Superstar Sol Gabetta wird auch heuer ihr Publikum mit ihrer emotionalen Virtuosität überzeugen. Auf dem Programm steht für sie und das Kammerorchester Basel neben drei wunderbaren Werken von Joseph Haydn und auch Samuel Barbers berühmt berührendes „Adagio for Strings“.

Good Old Europe (14. September 2011)
Der Mittwochabend gehört Haydntage-Fixstarter Maestro Adam Fischer und seiner Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie. Die Besucher dürfen sich unter anderem auf Haydns Symphonie „La Reine“ und Mozarts „Prager Symphonie“ und auf ein Wiedersehen mit dem beliebten Dirigenten bei den Abschlusskonzerten freuen.

Sir Neville’s Night (15. September 2011)
Hitverdächtiges im Gepäck dieser musikalischen Reise in die Neue Welt hat auch der Grandseigneur unter den Dirigenten, Sir Neville Marriner. Der Star aus England bringt mit dem Wiener Kammerorchester heuer Haydns Symphonie Nr. 17 zur Aufführung. Ein Werk, das bereits 1766 erstmalig in den USA auftauchte. Ein weiterer musikalischer Leckerbissen ist sicherlich Haydns berühmte Oxford-Symphonie.

Haydn & Tango (16. September 2011)
Südamerikanisches Flair ist angesagt, wenn die Akkordeonspielerin Viviane Chassot zur Matinee „Haydn & Tango“ lädt und unter anderem mit Astor Piazzollas Welthit „Adios Nonino“ für Gänsehaut sorgt.

Haydn & Brasilien (16. September 2011)
La Stagione Frankfurt unter Michael Schneider entführt die Haydnfans ins ferne Brasilien. Das Publikum wird an diesem Abend Zeuge einer europäischen Wiedererstaufführung nach mehr als 150 Jahren, nämlich der „Sinfonie à grand orchestre“ in Es-Dur von Sigismund Neukomm, die er in Rio de Janeiro vollendete.

Maestro & Scolare (17. September 2011)
Mit der Camerata Köln treffen wir noch einmal auf Sigismund Neukomm und erspüren den Einfluss seines Lehrmeisters Joseph Haydn in seinen Werken.

From Haydn to Broadway (17. September 2011)
Bei einer Reise über den großen Teich darf natürlich auch ein Besuch am Broadway nicht fehlen. Diesen absolviert die Klassik-Crossover-Sensation The Philharmonics. Auf ihrem Spielplan stehen unter anderem Bernstein, Corea, Piazzolla, Brahms, Haydn sowie Zigeunerweisen.

Abschlusskonzerte (18. September 2011)
Der Abschluss der 23. Internationalen Haydntage liegt wieder in den bewährten Händen von Adam Fischer und der Haydn Philharmonie, die heuer von den Wiener Sängerknaben unterstützt werden. Gemeinsam servieren sie musikalische Köstlichkeiten. Darunter zwei Werke Haydns, die es schon früh in die Neue Welt schafften: die Symphonie „La Chasse“, die bereits 1793 in New York ihre Erstaufführung erlebte, und „Il terremoto“ aus den berühmten „Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“.