Nachgefragt bei Karin Schäfer: „Immer wieder Neues auszuprobieren, hält jung“

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Figuren, Objekte, Licht, Musik und Bewegung werden bei Karin Schäfer zu einer eigenen Theatersprache. Mit ihrem visuellen Theater war die burgenländische Künstlerin bereits in mehr als 45 Ländern zu Gast. In „Nachgefragt“ spricht sie über die besondere Kraft des Figurentheaters, internationale Begegnungen und darüber, warum Austausch und Offenheit für Kunst und Kultur unverzichtbar sind.

Vier Fragen an Karin Schäfer

Du verbindest Figurentheater mit Musik, Tanz, Projektionen, Licht und bildender Kunst und hast damit eine ganz eigene Form des visuellen Theaters entwickelt. Was fasziniert dich bis heute daran, Figuren und scheinbar leblose Dinge auf der Bühne zum Leben zu erwecken?
Im Figurentheater sind so viele Dinge möglich, die man auf andere Art einfach nicht auf die Bühne bringen kann! Sogar ganz simple Objekte werden „lebendig“, wenn sie richtig inszeniert und bewegt werden. Es scheint so, als hätten wir Menschen den Drang, auch dort „Menschliches“ zu sehen, wo es eigentlich gar nicht vorhanden ist: wir interpretieren Augen und Gesichter in abstrakte Formen hinein und wir lassen uns dazu verleiten, eine Puppe, eine Figur als selbständig handelnd anzusehen – selbst dann, wenn die Spielerin dahinter klar zu sehen ist!

Dadurch kann ich im Figurentheater Dinge tun, die mit menschlichen Darstellern einfach unmöglich wären. „Puppen sterben besser“, habe ich mal gelesen – und das stimmt: was im Theater manchmal aufgesetzt oder gar kitschig wirkt, kann bei Figuren überzeugen, selbst wenn es absolut übertrieben ist.

Was auch toll ist: Im Figurentheater kann ich alles, was mich interessiert und fasziniert, miteinander verbinden: bildende Kunst als Ausgangspunkt, das handwerkliche Bauen von Figuren als herausfordernde manuelle Tätigkeit, Lesen von spannenden Plots, Schreiben von Texten, Musik hören und visuell umsetzen, Schauspielern, mich bewegen – vor allem aber: Reisen. Ich liebe das Reisen, und das konnte ich zum Glück optimal mit meiner Arbeit verbinden.

Mit deinen Produktionen warst du mittlerweile in mehr als 45 Ländern zu Gast – von Europa über Asien bis nach Afrika und Südamerika. Was hast du auf diesen Reisen über die Kraft von Theater gelernt – und gibt es etwas, das Menschen unabhängig von Sprache und Kultur gleichermaßen berührt?

Wirklich universell sind, finde ich: Musik und Humor. Beides verbindet Menschen, auch wenn sie nicht dieselbe Sprache verstehen und in ganz verschiedenen Kulturen aufgewachsen sind. Überall, wo wir hingekommen sind, haben die Leute den Humor in den Stücken verstanden und sich vom Zusammenspiel der Figuren, des Bühnenbildes und der Musik faszinieren lassen. Viele meiner Stücke kommen daher ohne Worte aus, vertrauen ganz auf die Kraft des „Visuellen Theaters“, bei dem nicht der Text, sondern die „Bilder“ auf der Bühne im Mittelpunkt stehen.

In deiner Arbeit geht es immer wieder um Veränderung und darum, neue Ausdrucksformen zu finden. In „Crazy Old Me“ setzt du dich etwa sehr persönlich mit dem Älterwerden als Künstlerin und Puppenspielerin auseinander. Was bedeutet es für dich, sich als Künstlerin immer wieder neu zu erfinden – und was möchtest du unbedingt noch ausprobieren?

Ich finde, immer wieder Neues auszuprobieren, hält jung! Außerdem macht es Spaß und ich behalte so immer die Freude an dem, was ich tue. Natürlich ist es auch herausfordernd; man weiß ja nie, ob eine neue Art, ein neuer Stil, neue Inhalte wirklich ankommen. Oft erwarten die Zuseher ja etwas Bestimmtes von dir, wenn sie deine Arbeit schon kennen. Drum „müssen“ Musiker°innen ja auch immer dieselben, bekannten Lieder, ihre „Hits“ immer wieder singen, auch wenn sie sich musikalisch vielleicht schon weiterentwickelt haben. Das wollte ich nie machen und habe immer einen neuen Ansatzpunkt, neue Stile, neue Techniken des Figurentheaters ausprobiert, bei jedem Stück eine neue Herausforderung gesucht. Trotzdem wird man natürlich älter und fragt sich auch: Wie lange werde ich das, wie lange kann oder will ich das noch machen? Das war der Ausgangspunkt für „Crazy Old Me“, ein Solostück, in dem ich gleichzeitig mein 100-jähriges Ich und die personifizierte Erinnerung dieser „Old Lady“ spiele.

Was mich, zusätzlich zu meiner Theaterarbeit, auch fasziniert, ist die Bildende Kunst, der ich mich schon seit einigen Jahren widme. Mit meinen „SEAmaps“ habe ich auch schon einige größere Ausstellungen gehabt; es ist schön, auch diese zweite Leidenschaft verfolgen zu können und meiner künstlerischen Arbeit ein zweites Standbein zu geben.

Die letzten Worte gehören dir:
Was wünschst du dir für Kunst und Kultur im Burgenland – und was müsste sich verändern, damit Künstler:innen hier auch in Zukunft gute Bedingungen vorfinden, um Neues entstehen zu lassen?

Was ich mir wünsche, und was mir wichtig ist: Austausch, Vernetzung, Anregungen aus allen Richtungen. Es ist wichtig, dass die Kunst, die Kultur offen bleibt, dass Einflüsse von außen möglich sind – aus anderen Ländern, anderen Kulturen, aber auch zwischen den Genres, den Generationen und den Kunstschaffenden aus allen Richtungen. Natürlich wünsche ich mir auch, dass das Publikum, die Menschen, weiterhin interessiert bleiben und künstlerische Arbeit, egal in welchem Genre, offen und interessiert aufnehmen.

Mit unserem Festival PannOpticum bieten wir dafür schon seit mehr als 20 Jahren eine Plattform – Künstler°innen aus aller Welt kommen ins Burgenland, um hier ihre Produktionen zu zeigen. Ab diesem Jahr wird das Festival von meiner Nichte Almut Schäfer-Kubelka geleitet, die selbst auch Figurentheater studiert hat, in Berlin. Es ist wirklich schön, zu wissen, dass unser Projekt, das Peter Hauptmann und ich aufgebaut haben, auf diese Weise fortleben wird. Dafür wünsche ich mir natürlich weiterhin die Unterstützung der Fördergeber – Land, Bund und Stadt – und der Sponsoren. Kunst und Kultur müssen und sollen sich immer wieder neu erfinden und offen in die Zukunft gehen; wir freuen uns darauf, dass das auch bei PannOpticum so sein wird.

Kulturgericht bedankt sich bei Karin Schäfer für das Gespräch.