Nachgefragt bei Andreas Vitásek: „Gute Kunst entsteht zwischen Komfort und Provokation“
70 Jahre Leben, 45 Jahre Bühne: Andreas Vitásek blickt 2026 gleich auf zwei Jubiläen zurück. In seinem aktuellen Programm „Wie es mir gefällt“ verbindet der Kabarettist ältere Texte mit neuem Material und Improvisation. Gleichzeitig ist Vitásek seit 2023 künstlerischer Leiter des Kultur Sommer Güssing und hat im Südburgenland längst eine zweite Heimat gefunden. Im Kulturgericht-„Nachgefragt“ spricht er über Veränderungen im Kabarett, Texte aus früheren Lebensphasen, seine Beziehung zum Südburgenland – und darüber, warum gute Kunst für ihn zwischen Komfort und Provokation entsteht.

70 Jahre auf der Welt, 45 Jahre auf der Bühne – wenn du heute auf deine Anfänge zurückblickst: Was hat sich an deinem Blick auf das Kabarett und auf dich selbst als Künstler am stärksten verändert?
Auffallend ist die Wandlung im Kabarett von längeren Erzählsträngen hin zu sehr kurzen Texthäppchen, geschuldet den neuen Sehgewohnheiten, die durch das Aufkommen der Comedy und der immer stärker werdenden Dominanz sozialer Medien geprägt werden.
In „Wie es mir gefällt“ verbindest du ältere Stücke mit neuem Material und Improvisation. Wie fühlt es sich an, nach Jahrzehnten auf Texte und Figuren zurückzublicken, die einmal aus einer ganz anderen Lebensphase entstanden sind?
Unterschiedlich. Vieles ist nach wie vor frisch und allgemeingültig, an manchen Nummern aber hat der Zahn der Zeit schon arg genagt.
Du bist nicht nur Künstler, sondern auch künstlerischer Leiter des Kultur Sommer Güssing und Wahlsüdburgenländer. Was bedeutet dir das Südburgenland mittlerweile – und was macht für dich gerade hier einen guten Kultursommer aus?
Das Südburgenland ist für mich eine zweite Heimat, ein Ort der inneren Einkehr und der Ruhe, aber auch der produktiven Kreativität. Ein guter Kultursommer ist für mich dann erreicht, wenn das Publikum sich schon aufs nächstes Jahr freut und das auch kundtut.
Was braucht Kunst und Kultur im Burgenland aus deiner Sicht, damit sie auch in Zukunft lebendig, mutig und für ein breites Publikum relevant bleibt?
Kultur sollte den Spagat schaffen zwischen Bodenständigkeit und Neugier auf Neues. Gute Kunst entsteht meiner Ansicht nach im Spannungsfeld zwischen Komfort und Provokation, zwischen Gewohntem und Fremdem.
Kulturgericht bedankt sich bei Andreas Vitasek für das Gespräch.