“Here Because of Hope” von Ezra Collective: Der Groove beschleunigt die Hoffnung

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Jazz-Puristen mögen vielleicht die Nase rümpfen, doch in der vielfältigen Musikszene Londons gelten Ezra Collective spätestens seit ihrem zweiten Album „Where I’m Meant to Be“ als neue Jazz-Sensation. Dieser Einschätzung schloss sich auch die Jury des renommierten britischen Mercury-Preises an und verlieh Ezra Collective als erstem Jazz-Act überhaupt den begehrten Musikpreis.

Am Gipfel angekommen

Jetzt haben die Londoner vor Kurzem ihr mittlerweile viertes Werk veröffentlicht und setzen neuerlich auf ihre faszinierende Mischung aus Jazz, Soul, Afrobeat und Reggae. „Here Because of Hope“ erweist sich als ihr bisher ambitioniertestes Werk und zugleich als ihr bestes.

Gegliedert in drei Kapitel erforscht das Album den musikalischen Reichtum Afrikas, der Karibik und des Schmelztiegels London. Die Schauspielerin Letitia Wright läutet die drei Kapitel mit Spoken-Word-Passagen über Schmerz, Erneuerung und Hoffnung ein, bevor Ezra Collective sich hoffnungsvoll in die Zukunft aufmacht.

Eine Erkundungsreise durch musikalische Traditionen

Dass diese strahlend hell sein könnte, darauf setzt die Band unter Einsatz all ihrer musikalischen Möglichkeiten. Die unterschiedlichen Einflüsse werden dabei von einem unwiderstehlichen Groove zusammengehalten. Hier stehen Jazz, Soul und Afrobeat nicht in krassem Gegensatz zueinander, sondern fließen natürlich ineinander über.

Die afrikanischen Einflüsse weichen im zweiten Teil dem musikalischen Reichtum der Karibik. Dann dominieren Reggae, Dub und Dancehall. Dabei gelingt es Ezra Collective immer wieder, ihre Musik sanft in neue Richtungen zu führen, ohne dass dies gewollt oder aufgesetzt klingt. Die Songs klingen wie eine musikalische Wanderung von Land zu Land. Dabei verändern sich nicht nur die Rhythmen, sondern auch die Stimmung.

Zum Abschluss kehren die Musiker nach London zurück. Hier trifft die Londoner Clubmusik auf Jazz und entwickelt jene körperliche Energie, die schon den Albumvorgänger „Dance, No One’s Watching“ prägte und ihm seinen Titel verlieh.

Urteil des Kulturgerichts:

Ezra Collective haben sich für dieses Konzeptalbum viel vorgenommen – das hört man. Anders als bei solch ambitionierten Projekten oft der Fall, geht das Konzept hier jedoch auf.

Die Hoffnung ist hier nicht einfach nur eine Durchhalteparole, sondern das zentrale Element in der Betrachtung der Welt und ihrer Zukunft. Tradition trifft auf Geschichte, und aus beidem entwickelt die Band etwas Neues. Das ist die große Stärke von „Here Because of Hope“, dessen Groove noch lange nachhallt.

Georg Steiner für Kulturgericht.at