Musikarchiv: Als Nick Cave und Kylie Minogue die wilden Rosen wachsen ließen
Es war eine der ungewöhnlichsten musikalischen Begegnungen der 1990er-Jahre: Auf der einen Seite Nick Cave, der düstere Geschichtenerzähler des Alternative Rock, auf der anderen Kylie Minogue, die zu diesem Zeitpunkt vor allem als internationaler Popstar bekannt war. Am 2. Oktober 1995 erschien ihr gemeinsames „Where the Wild Roses Grow“. Heute vor 31 Jahren begann damit die Erfolgsgeschichte einer Mörderballade, die längst zum Klassiker geworden ist.
Schönheit und Tod
„Where the Wild Roses Grow“ erzählt die Geschichte von Elisa Day und ihrem Mörder aus zwei Perspektiven. Zunächst scheint alles wie eine romantische Begegnung, doch schon bald wird klar, dass diese Liebe kein glückliches Ende nehmen wird.
Nick Cave griff damit eine jahrhundertealte Tradition der sogenannten Murder Ballads auf. Als Inspiration diente ihm unter anderem das traditionelle „Down in the Willow Garden“, das ebenfalls von einem Mann erzählt, der seine Geliebte ermordet.
Die Schönheit der Melodie steht dabei in bewusstem Gegensatz zur Geschichte. Cave und Minogue wechseln sich als Erzähler ab, bis Zärtlichkeit und Gewalt schließlich unmittelbar aufeinandertreffen.
Ein überraschendes Duett
Dass ausgerechnet Kylie Minogue die Rolle der Elisa Day übernehmen sollte, war kein Zufall. Cave hatte das Stück gezielt für sie geschrieben. Gerade der Gegensatz zwischen seiner düsteren musikalischen Welt und Minogues damaligem Image machte die Zusammenarbeit so wirkungsvoll.
Für beide Seiten erwies sich das Experiment als Erfolg. „Where the Wild Roses Grow“ wurde zur international erfolgreichsten Single von Nick Cave & The Bad Seeds. Auch in Österreich fand das ungewöhnliche Duett ein großes Publikum: Der Song erreichte Platz vier der heimischen Charts und hielt sich dort 19 Wochen.
1996 erschien das Stück schließlich auf „Murder Ballads“. Das Album widmete Nick Cave & The Bad Seeds ganz dem alten Genre der Mörderballade.
Ein Bild, das geblieben ist
Untrennbar mit dem Song verbunden ist auch das Musikvideo. Kylie Minogue liegt darin als tote Elisa Day im Wasser, umgeben von Rosen, während Nick Cave als ihr Mörder auftritt.
Die Inszenierung machte die morbide Romantik des Songs auch visuell greifbar und trug dazu bei, dass „Where the Wild Roses Grow“ weit über das übliche Publikum der Bad Seeds hinaus bekannt wurde.
31 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat das Duett wenig von seiner Wirkung verloren. Vielleicht gerade deshalb, weil die Zusammenarbeit auf dem Papier so unwahrscheinlich erschien. Cave und Minogue versuchen nicht, ihre musikalischen Welten einander anzupassen. Der Reiz entsteht aus ihrem Gegensatz.
Aus einer alten Mörderballade wurde so einer der ungewöhnlichsten Popsongs der 1990er-Jahre – und einer der bekanntesten Songs in der Karriere von Nick Cave & The Bad Seeds.