KLANGherbst 2026: Vier Tage jüdische Kultur und Musik auf Burg Schlaining
Von 5. bis 8. November 2026 wird die Friedensburg Schlaining zum Treffpunkt für Musik, Literatur und Erinnerungskultur. Der KLANGherbst widmet sich zum sechsten Mal der jüdischen Kultur und verbindet historische Perspektiven mit künstlerischen Begegnungen. Auf dem Programm stehen unter anderem Schauspieler Philipp Hochmair, ein Gedenkkonzert zur Erinnerung an die Novemberpogrome, eine musikalisch-literarische Reise in die Bukowina und der Wiener Jüdische Chor.

Fotocredit: Lexi Horvath
Stadtschlaining blickt auf eine jahrhundertelange jüdische Geschichte zurück. Die ehemalige Synagoge und jüdische Friedhöfe erinnern bis heute an diesen Teil der Stadtgeschichte. Genau hier setzt der KLANGherbst an: Das Festival macht kulturelles Erbe hörbar und eröffnet zugleich Raum für die Auseinandersetzung mit Geschichte, Verfolgung und gesellschaftlichem Zusammenleben.
Alle vier Veranstaltungen finden im Granarium der Burg Schlaining statt.
Philipp Hochmair eröffnet den KLANGherbst
Den Auftakt gestaltet am Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr Schauspieler Philipp Hochmair gemeinsam mit dem Streichquartett Sonare Linz.
Im Mittelpunkt steht Joseph von Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“, die 1826 erstmals vollständig erschien und damit heuer ihr 200-jähriges Jubiläum feiert.
Die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seiner Geige aufbricht, um die Welt zu entdecken, wird mit Musik der Romantik verbunden. Werke von Felix Mendelssohn, Fanny Mendelssohn und Franz Schubert begleiten die literarische Reise.
„Lied der Welt“ erinnert an die Novemberpogrome
Ein besonderer Schwerpunkt des Festivals folgt am Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr. Das Gedenkkonzert „Lied der Welt“ mit dem Ensemble VIVA LA CLASSICA erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938.
Im Zentrum stehen Komponistinnen und Komponisten, deren Leben und künstlerische Arbeit durch Verfolgung, Vertreibung und Exil geprägt wurden. Zu hören sind unter anderem Werke von Egon Wellesz, Vally Weigl, Aleksander Tansman, Józef Koffler und Mieczysław Weinberg.
Historische Vorträge ergänzen das musikalische Programm. Eine Videoinstallation von Elizaveta Kapustina rückt die Menschen hinter den Kompositionen in den Blick.
Die Veranstaltung entstand in Zusammenarbeit mit dem Festival verfemter Musik „FREMDE ERDE“.
Der Eintritt zum Gedenkkonzert ist frei, eine Anmeldung ist vorgesehen.
„Klein Wien am Pruth“: Musik und Literatur aus der Bukowina
Am Samstag, 7. November, um 19 Uhr präsentieren Georg Wacks und die Vienna Clarinet Connection das Programm „Klein Wien am Pruth“.
Die Musik-Textcollage von Alexander Kukelka verbindet seine „Czernowitzer Skizzen“ mit Literatur aus der Bukowina. Texte von Rose Ausländer, Paul Celan, Alfred Gong und Gregor von Rezzori treffen auf die Klangfarben eines Klarinettenquartetts.
Das Programm erinnert an die einstige kulturelle Vielfalt der Region rund um Czernowitz im heutigen Westen der Ukraine. Zugleich stellt es Fragen nach kultureller Identität, Zusammenleben und dem Wert gegenseitiger Verständigung.
Wiener Jüdischer Chor feiert das Leben
Mit einem musikalischen Zeichen der Lebensfreude endet der KLANGherbst am Sonntag, 8. November, um 16 Uhr.
Der Wiener Jüdische Chor unter der Leitung von Roman Grinberg präsentiert sein Programm „Lechaim! – Auf das Leben!“.
Jüdische Lieder über Liebe, Familie, Hoffnung und Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt. Zwischen heiteren Melodien und nachdenklichen Momenten zeigt das Konzert, wie Musik Erinnerungen bewahrt und Generationen miteinander verbindet.
Kultur als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Mit seinem Programm geht der KLANGherbst über eine klassische Konzertreihe hinaus. Literatur, historische Reflexion und musikalische Vielfalt ergänzen einander und machen die Friedensburg Schlaining zu einem Ort des kulturellen Dialogs.
Gerade die Verbindung zwischen der jüdischen Geschichte Stadtschlainings und den künstlerischen Stimmen der Gegenwart verleiht dem Festival sein besonderes Profil.
KLANGherbst 2026 – Termine im Überblick
Donnerstag, 5. November, 19 Uhr: Philipp Hochmair & Streichquartett Sonare Linz – „Aus dem Leben eines Taugenichts“
Freitag, 6. November, 19.30 Uhr: „Lied der Welt“ – Gedenkkonzert mit VIVA LA CLASSICA, Eintritt frei
Samstag, 7. November, 19 Uhr: „Klein Wien am Pruth“ – Georg Wacks & Vienna Clarinet Connection
Sonntag, 8. November, 16 Uhr: Wiener Jüdischer Chor – „Lechaim! – Auf das Leben!“
Veranstaltungsort: Granarium, Friedensburg Schlaining, 7461 Stadtschlaining
Tickets und Informationen: www.klangfestivalschlaining.at
Reservierungen: +43 3355 2306-2211 oder klangfestival@kultur-burgenland.at