Kulturarchiv: Franz Liszt – der erste Popstar aus dem Burgenland

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Kreischende Fans, begeisterte Menschenmengen und ein Personenkult, wie man ihn heute von internationalen Popstars kennt: Franz Liszt war weit mehr als ein begnadeter Pianist. Der am 22. Oktober 1811 in Raiding geborene Musiker wurde zu einem der größten Stars des 19. Jahrhunderts. Heute wäre er 215 Jahre alt geworden.

Wenn heute von musikalischen Superstars die Rede ist, denkt man meist an ausverkaufte Stadien, begeisterte Fans und internationale Tourneen. Doch schon lange vor der modernen Popmusik gab es einen Künstler, der sein Publikum in einen regelrechten Ausnahmezustand versetzte: Franz Liszt.

Seine Geschichte begann in Raiding, damals Doborján, einem kleinen Ort im damaligen Königreich Ungarn, der heute zum Burgenland gehört. Hier wurde Liszt am 22. Oktober 1811 geboren.

Sein Vater Adam Liszt arbeitete für die Fürsten Esterházy und förderte früh das musikalische Talent seines Sohnes. Schon als Kind zeigte Franz außergewöhnliche Fähigkeiten am Klavier. Es folgten Studienjahre in Wien, ein Umzug nach Paris und schließlich eine Karriere, die ihn durch ganz Europa führte.

Als Europa im Liszt-Fieber war

In den 1840er-Jahren erreichte die Begeisterung für Franz Liszt ihren Höhepunkt. Seine Konzerte wurden zu gesellschaftlichen Ereignissen, seine Auftritte lösten ungewöhnlich heftige Reaktionen aus.

Fans wollten persönliche Erinnerungsstücke besitzen, bewahrten Gegenstände auf, die mit dem Musiker in Verbindung standen, und verfolgten seine Auftritte mit einer Intensität, die damals für einen klassischen Musiker außergewöhnlich war.

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Heine prägte 1844 dafür den Begriff „Lisztomanie“.

Liszt begeisterte sein Publikum nicht nur durch seine technische Virtuosität. Auch seine Bühnenpräsenz trug zu seinem Ruhm bei. Mit ausdrucksstarken Bewegungen, dramatischen musikalischen Steigerungen und einer bis dahin ungewohnten Intensität machte er das Klavierkonzert zu einem Erlebnis, bei dem die Persönlichkeit des Künstlers ebenso wichtig wurde wie die Musik.

Was heute bei Pop- und Rockkonzerten selbstverständlich erscheint, war im 19. Jahrhundert eine Sensation.

Ein Pianist, der die Konzertwelt veränderte

Liszt gehörte zu jenen Musikern, die das öffentliche Klavierkonzert grundlegend veränderten. Er etablierte den Solo-Klavierabend als eigenständiges Konzertformat und machte den einzelnen Interpreten zum Mittelpunkt des Geschehens.

Seine technischen Fähigkeiten galten als außergewöhnlich. Liszt spielte Werke, die selbst erfahrene Pianisten vor enorme Herausforderungen stellten. Gleichzeitig erweiterte er das Repertoire durch eigene Kompositionen und Bearbeitungen bekannter Orchester- und Opernwerke.

Dabei ging es ihm nicht ausschließlich darum, seine Virtuosität zu demonstrieren. Liszt verstand das Klavier auch als Instrument, mit dem sich große musikalische Geschichten erzählen ließen.

Seine „Ungarischen Rhapsodien“, die „Années de pèlerinage“ und die h-Moll-Sonate gehören bis heute zu den bedeutenden Werken der romantischen Klavierliteratur.

Mehr als ein gefeierter Virtuose

So spektakulär seine Karriere als Pianist war, Liszt wollte sich nicht auf die Rolle des umjubelten Konzertstars beschränken.

Ab 1848 widmete er sich in Weimar verstärkt dem Komponieren und Dirigieren. Dort unterstützte er andere Musiker und entwickelte neue musikalische Ideen. Besonders die sinfonische Dichtung, bei der außermusikalische Themen zum Ausgangspunkt eines Orchesterwerks werden, ist eng mit seinem Namen verbunden.

Liszt setzte sich außerdem für Komponisten wie Richard Wagner und Hector Berlioz ein und förderte zahlreiche junge Talente.

Im späteren Leben beschäftigte er sich zunehmend mit geistlicher Musik. Seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte er vor allem zwischen Rom, Weimar und Budapest.

Am 31. Juli 1886 starb Franz Liszt in Bayreuth im Alter von 74 Jahren.

Von Raiding in die Musikgeschichte

Obwohl Liszt den größten Teil seines Lebens außerhalb seines Geburtsortes verbrachte, ist Raiding bis heute eng mit seinem Namen verbunden.

Sein Geburtshaus ist heute ein Museum. Mit dem Liszt Zentrum und den dort veranstalteten Konzerten hat sich der mittelburgenländische Ort zu einem wichtigen Schauplatz der internationalen Klassikszene entwickelt.

Für das Burgenland ist Franz Liszt damit nicht nur eine historische Persönlichkeit, sondern auch ein bedeutender Teil seiner kulturellen Identität.

Der Popstar vor der Popmusik

Franz Liszt war kein Popstar im heutigen musikalischen Sinn. Doch die Begeisterung, die er auslöste, die Inszenierung seiner Auftritte und seine internationale Bekanntheit erinnern erstaunlich stark an die Mechanismen moderner Starkultur.

Er zeigte, dass ein Musiker nicht nur durch seine Werke berühmt werden konnte, sondern auch durch seine Persönlichkeit, seine Bühnenwirkung und die emotionale Bindung zu seinem Publikum.

215 Jahre nach seiner Geburt bleibt Franz Liszt deshalb eine außergewöhnliche Figur der Musikgeschichte – und einer der berühmtesten Künstler, die im heutigen Burgenland geboren wurden.