Kulturarchiv: Michel Butor wäre heute 100 Jahre alt

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Am 14. September 1926 wurde Michel Butor geboren. Heute wäre der französische Schriftsteller 100 Jahre alt. Mit experimentellen Romanen wie „La Modification“ wurde er zu einer wichtigen Stimme des Nouveau Roman – doch sein Schaffen reichte weit über die Literatur hinaus und führte ihn immer wieder zur bildenden Kunst und zu neuen Formen des Buches.

Eine neue Art des Erzählens

In den 1950er-Jahren gehörte Butor zu jener Generation französischer Autoren, die traditionelle Formen des Romans infrage stellte. Nach „Passage de Milan“ und „L’Emploi du temps“ erschien 1957 sein bekanntestes Werk „La Modification“.

Der Roman fällt besonders durch seine ungewöhnliche Erzählperspektive auf: Die Geschichte wird in der zweiten Person Plural erzählt. Für „La Modification“ erhielt Butor 1957 den renommierten Prix Renaudot.

Literatur trifft bildende Kunst

Butor blieb jedoch nicht dauerhaft beim klassischen Roman. Bereits in den 1960er-Jahren wandte er sich verstärkt experimentellen Textformen, Essays und Lyrik zu. Besonders wichtig wurde für ihn das Buch als künstlerisches Objekt.

Er arbeitete mit zahlreichen bildenden Künstlern zusammen und schuf Künstlerbücher, in denen Text und visuelle Gestaltung miteinander verbunden wurden. Auch Übersetzungen sowie literatur- und kunstwissenschaftliche Essays gehörten zu seinem umfangreichen Schaffen.

Ein kaum einzuordnendes Gesamtwerk

Gerade diese Vielseitigkeit macht Michel Butor zu einer ungewöhnlichen Figur der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Bibliothèque nationale de France beschreibt sein hinterlassenes Werk als umfangreich, schwer einzuordnen und vielgestaltig. Seine Beschäftigung mit Literatur führte ihn immer wieder zu Malerei, Musik, Reisen und anderen Kunstformen.

Auch als Essayist setzte er sich intensiv mit Kunst auseinander. Gleichzeitig interessierte er sich für neue Möglichkeiten des Schreibens und sah später sogar im Internet eine Chance für die Literatur. 2013 erhielt er den Grand Prix de littérature der Académie française für sein Gesamtwerk.

100 Jahre Michel Butor

Michel Butor starb am 24. August 2016 im Alter von 89 Jahren. Sein umfangreiches literarisches Erbe dokumentiert auch die Bibliothèque nationale de France: Allein die dort aufbewahrte Korrespondenz umfasst mehr als 50.000 Briefe von Hunderten unterschiedlichen Absendern.

100 Jahre nach seiner Geburt erinnert das Kulturgericht-Kulturarchiv an einen Autor, der den Roman nicht als festgelegte Form verstand, sondern als Ausgangspunkt für immer neue Experimente mit Sprache, Kunst und Wahrnehmung.