Nachgefragt bei Silvia Freudensprung-Schöll: „Kunst und Kultur entwickeln die Gesellschaft weiter“

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Für Silvia Freudensprung-Schöll gehört Kultur zum Beruf und zum persönlichen Alltag. Als Kulturredakteurin ist sie regelmäßig bei Veranstaltungen im ganzen Burgenland unterwegs – und auch privat zieht es sie immer wieder zu Kunst und Kultur. In „Nachgefragt“ spricht sie über einen intensiven Kultursommer, ihre Vorfreude auf die Bühnenfassung von „Nincshof“ und darüber, was die burgenländische Kulturszene für eine lebendige Zukunft braucht.

Welche Veranstaltung oder welches Kulturprojekt hat dich in diesem Sommer besonders überrascht oder beeindruckt?

Diesen Sommer haben mich viele Kulturveranstaltungen begeistert. Eine einzelne davon herauszupicken, das wäre vermessen und auch unfair allen Menschen gegenüber, die Wochen und Monate an ihren Kulturprojekten unermüdlich arbeiten. Für mich persönlich war es ein spannender, aber auch anstrengender Kultursommer. Zum einen besuche ich als Kulturredakteurin beruflich viele Veranstaltungen, um darüber zu berichten und zum anderen mag ich Kunst und Kultur einfach und bin daher auch privat in der Szene immer wieder unterwegs.

Manches Mal denke ich mir zwar, musst du überall dabei sein? Aber Kunst und Kultur sind für mich nicht nur mein Job, sondern meine private Leidenschaft und dann nehme ich mir ein Herz und fahre trotzdem durch das Burgenland vom Norden bis zum Süden zu Veranstaltungen.

Eines hat mich diesen Sommer aber doch sehr beeindruckt, nämlich die Tanzeinlagen des Musicals „La Cage aux Folles“ auf der Seebühne Mörbisch. Die waren einfach unglaublich mitreißend und präzise. Es muss verdammt anstrengend sein, diese Shownummern einzustudieren, damit sich alle exakt im Gleichklang bewegen und dann auch noch genügend Luft zum Singen haben. Also, ich würde nach kürzester Zeit zum Schnaufen beginnen.

Worauf freust du dich in der kommenden Kultursaison am meisten? Gibt es ein Projekt oder eine Entwicklung, die du besonders gespannt verfolgst?

Wir stehen gerade am Beginn der neuen Kultursaison. Geboten wird wieder jede Menge, also es wird mich wieder Herumreißen. Besonders neugierig bin ich auf die Uraufführung des Theaterstücks „Nincshof“, eine Bearbeitung des gleichnamigen Romans von Johanna Sebauer für die Bühne. Die Marzer Autorin kenne ich seit knapp 20 Jahren, ich war mit ihren mittlerweile verstorbenen Eltern befreundet und daher habe ich ihre Karriere immer sehr neugierig verfolgt.

Als sie beim Ingeborg Bachmann Preis 2024 für ihren Text „Das Gurkerl“ mit dem 3sat Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, habe ich mich sehr für sie gefreut. Und jetzt freu ich mich auf die Uraufführung von „Nincshof“, einer Eigenproduktion der Kulturzentren Burgenland ab Mitte Oktober.

Nincshof ist ein kleines Dorf an der burgenländisch-ungarischen Grenze, das vergessen werden soll. Das Wort „nincs“ kommt aus dem Ungarischen und bedeutet so viel wie „es existiert nicht“. Der Roman war äußerst amüsant zu lesen, gespickt mit skurrilen Ideen, schrulligen, aber liebenswürdigen Figuren und viel Humor. Ich hoffe, das Bühnenstück bleibt dem Roman ziemlich treu.

Und das letzte Wort: Was braucht die Kulturszene im Burgenland derzeit am dringendsten?

Man hört und liest immer wieder „Österreich ist ein Kulturland“. Davon bin ich felsenfest überzeugt und auch davon, dass das Burgenland sehr viel an Kultur zu bieten hat. Was mir besonders gut gefällt ist, dass kulturelle Tradition und moderne Zugänge zu Kunst und Kultur möglich sind und auch harmonieren. Damit das auch so bleibt, braucht die heimische Kulturszene natürlich verlässliche Partner, um die Projekte realisieren zu können.

Kunst und Kultur sind nicht selbstverständlich. Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler, die alles dafür geben, um ihre Ideen und Projekte umzusetzen. Ihr Engagement ist unermüdlich und das ist schön, denn sonst wäre Stillstand vorprogrammiert.

Kunst und Kultur entwickeln die Gesellschaft weiter. Daher muss der künstlerische Nachwuchs intensiv gefördert werden, damit unsere Kultur lebendig bleibt und eine Zukunft hat. Abschließend möchte ich noch sagen: Ich bin froh und glücklich, in einem Land wie Österreich und einem Bundesland wie dem Burgenland zu leben, in denen die Freiheit der Kunst großgeschrieben wird.

Kulturgericht bedankt sich bei Silvia Freundensprung-Schöll für das Gespräch.