Nachgefragt bei Christoph Krutzler

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Christoph Krutzler kennt das Theater aus vielen Perspektiven – als Schauspieler auf der Bühne, aus Film und Fernsehen und nun auch hinter den Kulissen. Seit 2026 gestaltet er das Erwachsenentheater der Kulturzentren Burgenland mit. In „Nachgefragt“ spricht er über seine neue Aufgabe, die Bühnenfassung von „Nincshof“, die Scheu vor dem Theaterbesuch und darüber, warum Kunst vor allem ehrlich sein muss.

Christoph Krutzler mit Johanna Mertinz. Foto: Andreas Hafenscher

Du bist als Schauspieler auf großen Bühnen und vor der Kamera unterwegs. Was reizt dich daran, jetzt das Theater in den Kulturzentren Burgenland mitzugestalten?

Wie ich schon in vielen Interviews vorher gesagt habe, ist das jetzt eine ganz neue Aufgabe, ein ganz neuer Job.

Ich bin in der Organisation, ich kann selbst auch kreativ, aber eben hinter der Bühne gestalten. Ich kann Schauspieler und Regisseure holen, ich kann Stücke aussuchen. Und vor allem kann ich meine jahrzehntelange Erfahrung jetzt anwenden.

Aber nicht nur das, was ich auf der Bühne, sondern auch das, was ich hinter der Bühne gelernt und gesehen habe. All das kann ich jetzt anwenden. Und das reizt mich sehr!

Mit „Nincshof“ setzt du gleich zu Beginn auf einen Stoff, der stark im Burgenland verwurzelt ist. Was hat dich an Johanna Sebauers Roman gereizt und warum eignet er sich für die Bühne?

Ja, es ist ein zutiefst burgenländisches Stück. Gerade jetzt in der Probenzeit kommen wir immer mehr drauf, dass die Haltung der Figuren und die Dinge, die passieren, nicht unbedingt überall auf der Welt spielen könnten, sondern dass das schon sehr speziell auf das Burgenland zugeschnitten ist.

Dadurch ist es auch sehr witzig – vor allem für die Burgenländerinnen und Burgenländer, die vieles wiedererkennen werden. Ich muss teilweise den Kollegen auch erklären: „Schaut, das ist so und so gemeint, und so und so ist das bei uns.“ Das ist spannend.

Und es eignet sich für die Bühne, weil es einfach eine wunderbare Geschichte ist. Es ist ein bisschen ein Märchen, es hat etwas Märchenhaftes, aber auch etwas Lehrstückhaftes. Es ist sehr, sehr unterhaltsam, aber auf eine sehr intelligente Art und Weise.

Deswegen passt es sehr gut und deswegen machen wir das.

Du möchtest ein Theater schaffen, das den Menschen gehört. Was bedeutet das für dich konkret und wie kann Theater auch Menschen erreichen, die normalerweise eher selten ins Theater gehen?

Ja genau, das ist ja der Hauptpunkt. Die Sache ist: Ich will so viele Leute wie möglich ins Theater holen, ihnen die Schwellenangst vor Kulturbetrieben nehmen. Weil ich sage: Wenn sie einmal da waren, wenn sie einmal wissen, da ist der Eingang, da hänge ich meine Jacke auf, da zeige ich meine Karte her, da darf ich mich hinsetzen, da kriege ich in der Pause mein Achtel Wein, dann wird das zur Normalität, dann ist das ganz einfach. Ich weiß, wie der Betrieb von innen aussieht, ich bin damit vertraut. Und ich war schon mal dort, deswegen kann ich gerne wieder hingehen – und im besten Fall hat es mir gefallen.

Aus dem Grund mag ich auch Stücke machen und Gastspiele einladen, die die Leute gerne sehen und auch wieder sehen wollen. Das heißt: unterhaltsam, aber jetzt nicht im Sinne von Komödien. Tatsächlich habe ich keine einzige Komödie am Spielplan, aber eben schlaue Stücke, mit etwas fürs Herz. Theater regt uns ja auf so vielfältige Weise an.

Man muss ja nicht nur lachen. Wenn man nur lachen will, geht man ins Kabarett. Obwohl, na ja, ich muss im Kabarett immer weinen.

Ich glaube, wenn ich die Leute einmal „habe“, dann bleiben sie. Und ich erreiche sie natürlich durch massive Öffentlichkeitsarbeit, durch radikale Anwesenheit, dadurch, dass ich überall Interviews gebe, in jeder Zeitung auftauche. Sodass die Leute sagen: „Ah ja, das ist ja da unser Theaterheinzi, den wir jetzt haben im Burgenland! Ah ja, schauen wir uns mal an, was der macht. Das interessiert mich.“ Und wenn ich sie einmal habe, dann bleiben sie, das weiß ich.

Was braucht Kunst und Kultur im Burgenland aus deiner Sicht, damit sie auch in Zukunft lebendig, mutig und für ein breites Publikum relevant bleibt?

Kunst muss vor allem ehrlich sein. Ehrlich im Sinne von, dass es eine Notwendigkeit gibt, dass man das macht. Ehrlich im Sinne von, dass es gewachsen ist, dass es aus den Darsteller:innen oder aus den Künstler:innen herauskommt.

Und dann wird sie auch immer lebendig bleiben, weil ein Künstler, der mit wachen Augen durch die Welt geht, sich natürlich im Jetzt bewegt und diese Welt dann reflektiert – für die Bühne, für die Leinwand, für einen Roman, für die Literatur, für was auch immer er macht.

Und Kunst und Kultur im Burgenland braucht vor allem Burgenländerinnen und Burgenländer, die einen künstlerischen Anspruch haben und die künstlerisch der Welt etwas zu sagen haben. Und dann wird es auch lebendig bleiben, dann wird das auch in Zukunft funktionieren. Oder Fahrt aufnehmen.

Kulturgericht bedankt sich bei Christoph Krutzler für das Gespräch.