Nachgefragt bei Michael Gerbavsits: „Kunst liefert oft nicht Antworten, aber sie eröffnet neue Perspektiven“

+1

Was macht Kunst wertvoll, wenn sie nicht sofort verständlich ist? Und wie lässt sich künstlerische Freiheit mit wirtschaftlicher Verantwortung verbinden? Im Kulturgericht-Interview „Nachgefragt“ spricht Michael Gerbavsits über seine persönliche Begeisterung für Kunst und Kultur, prägende Erlebnisse zwischen Literatur, Theater und einem Bruce-Springsteen-Konzert in London sowie die Herausforderungen der Kulturfinanzierung. Dabei richtet er den Blick auch auf das Burgenland – eine Kulturlandschaft, die seiner Ansicht nach trotz schwieriger Rahmenbedingungen bemerkenswert viel bewegt.

Vier Fragen an Michael Gerbavsits

Du hast viele Jahre in Wirtschaft und Management gearbeitet und bist heute Geschäftsführer der Joseph Haydn Privathochschule. Was hat dich persönlich immer wieder zur Kunst und Kultur hingezogen?

Die Neugier, sich mit anderen Menschen und deren Werken auseinanderzusetzen. Kunst liefert oft nicht Antworten, aber sie eröffnet neue Perspektiven, erweitert den eigenen Horizont. Und sie erschließt sich mir oft nicht gleich, regt mich dadurch aber zum Denken an. Und nach einem durchgetakteten Arbeitstag tut es manchmal einfach nur gut, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Kultur braucht künstlerische Freiheit, Institutionen gleichzeitig wirtschaftliche Stabilität. Wie schwierig ist es, diese beiden Welten miteinander zu verbinden?

In der Realität ist es nicht schwierig, wenn man ohne wenn und aber anerkennt, dass künstlerische Freiheit außer Frage steht. Und aber auch weiß, dass Kunst & Kultur oft nur dann stattfinden können, wenn Institutionen auch wirtschaftlich stabil sind.

Gibt es eine Begegnung mit Kunst oder Musik, die deine persönliche Sicht auf Kultur nachhaltig verändert hat?

Nein, nicht die eine, es sind viele Mosaike. Jene Bücher, die ich ein zweites oder auch ein drittes Mal gelesen habe. Die Ausstellungen, aus denen ich mit einem „Wow“ hinausgehe. Die Theateraufführungen, die mich noch Wochen später beschäftigen. Und das Konzert von Bruce Springsteen im Hyde Park in London, dass ich so gerne nochmals so erleben möchte.

Was braucht Kunst und Kultur im Burgenland heute am dringendsten?

Es ist kein Geheimnis, dass die öffentlichen Budgets derzeit sehr angespannt sind, das betrifft alle Gebietskörperschaften. Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen kann man für das Burgenland von einer linearen Budgetentwicklung im Bereich der Kulturfinanzierung sprechen. Aktuelle Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Und auch wenn Kultur im Burgenland aufgrund der demografischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen (Stichwort Sponsoren) es im Vergleich zu urbanen Zentren nicht einfach hat, ist es für mich dennoch erstaunlich, was wir alles im Land schaffen und in wie vielen Bereichen wir zu den Vorreitern in Österreich zählen.

Kulturgericht bedankt sich bei Michael Gerbavsits für das Gespräch.