Phyllida Barlow: Kunsthalle Krems zeigt erste museale Retrospektive in Österreich
Monumentale Skulpturen, ungewöhnliche Materialien und Installationen, die ganze Räume verändern: Die Kunsthalle Krems widmet der britischen Künstlerin Phyllida Barlow von 21. November 2026 bis 29. März 2027 eine umfassende Ausstellung. Erstmals wird ihr Werk in Österreich im Rahmen einer musealen Retrospektive präsentiert.

Phyllida Barlow Estate. Courtesy the Phyllida Barlow Estate and Hauser & Wirth, Foto: Ken Adlard
Phyllida Barlow (1944–2023) gehörte zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der internationalen Gegenwartskunst. Ihre Arbeiten stellen traditionelle Vorstellungen von Skulptur infrage. Statt glatter Oberflächen und klassischer Materialien setzte die britische Künstlerin auf Holz, Gips, Mullbinden, Kunststoff und andere alltägliche Werkstoffe.
Daraus entstanden oft gewaltige, scheinbar instabile Konstruktionen. Formen wurden gestapelt, gefaltet, miteinander verbunden oder übereinandergeschichtet. Ihre Skulpturen wirken zugleich improvisiert und monumental.
Barlows Kunst will dabei nicht nur betrachtet, sondern räumlich erfahren werden. Ihre Installationen verändern die Wahrnehmung ihrer Umgebung, unterbrechen Blickachsen und lassen Besucherinnen und Besucher vertraute Ausstellungsräume auf neue Weise erleben.
Zwischen Ruinenlandschaft und abstrakter Kunst
Viele Arbeiten von Phyllida Barlow erinnern an Baustellen, provisorische Konstruktionen oder die Überreste zerstörter Gebäude. Die Künstlerin verarbeitete darin auch Erinnerungen an das vom Zweiten Weltkrieg gezeichnete London ihrer Kindheit.
Ihre raumgreifenden Installationen erzeugen mitunter ein Gefühl von Enge, Unsicherheit und Instabilität. Gleichzeitig entwickeln sie durch ihre ungewöhnlichen Formen und kräftig bearbeiteten Oberflächen eine eigene bildnerische Dynamik.
Besonders charakteristisch ist das Zusammenspiel von scheinbar einfachen Materialien und einer komplexen räumlichen Wirkung. Was zunächst unfertig oder zufällig erscheint, entpuppt sich als bewusst gestaltete künstlerische Komposition.
Internationaler Durchbruch im späteren Lebensabschnitt
Obwohl Phyllida Barlow über Jahrzehnte künstlerisch tätig war, erhielt sie erst vergleichsweise spät jene internationale Aufmerksamkeit, die ihr Werk heute prägt.
2014 war ihr eine große Präsentation in der Tate Britain in London gewidmet. Einen weiteren Höhepunkt ihrer Karriere bildete die Biennale von Venedig 2017, bei der sie den britischen Pavillon bespielte.
Mit monumentalen Konstruktionen verwandelte sie damals die Architektur des Pavillons und machte den Ausstellungsraum selbst zum Bestandteil ihrer Kunst.
Erste museale Retrospektive in Österreich
Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems bietet nun die Gelegenheit, das vielseitige Schaffen der 2023 verstorbenen Künstlerin kennenzulernen.
Gezeigt werden großformatige Installationen und Einzelskulpturen ebenso wie kleinere Modelle, sogenannte Maquetten. Ergänzt wird die Präsentation durch Gemälde und Arbeiten auf Papier.
Damit eröffnet die Schau einen Einblick in unterschiedliche Aspekte von Barlows künstlerischem Denken – von ersten Formideen bis zu raumfüllenden Arbeiten.
Kuratiert wird die Ausstellung von Florian Steininger.
Mit dieser Retrospektive rückt die Kunsthalle Krems eine Künstlerin in den Mittelpunkt, die mit einfachen Materialien eine unverwechselbare Bildsprache entwickelte und die Möglichkeiten zeitgenössischer Skulptur immer wieder neu auslotete.
Ausstellung im Überblick
Phyllida Barlow
- Ausstellungsdauer: 21. November 2026 bis 29. März 2027
- Ort: Kunsthalle Krems, Niederösterreich
- Kurator: Florian Steininger
- Gezeigt werden: Installationen, Skulpturen, Modelle, Gemälde und Arbeiten auf Papier
Weitere Informationen zur Ausstellung und zu den Eintrittskarten gibt es auf www.kunstmeile.at.