Musikarchiv: Wie Prince mit „Dirty Mind“ die Popregeln brach

+1

Am 8. Oktober 1980 erschien mit „Dirty Mind“ das dritte Studioalbum von Prince. Es war der Moment, in dem der damals 22-jährige Musiker seinen eigenen Stil radikal zuspitzte: Funk traf auf Rock und New Wave, sexuelle Offenheit auf gesellschaftliche Provokation. 46 Jahre später gilt das Album als einer der entscheidenden Wendepunkte seiner Karriere.

Als „Dirty Mind“ erschien, war Prince längst kein völliger Unbekannter mehr. Mit seinen ersten beiden Alben hatte der Musiker aus Minneapolis bereits Aufmerksamkeit erregt. Besonders „I Wanna Be Your Lover“ hatte ihm 1979 einen Erfolg in den amerikanischen R&B-Charts beschert. Doch Prince wollte sich nicht auf die Rolle eines jungen Funk- und Soulmusikers festlegen lassen.

Mit „Dirty Mind“ änderte sich das deutlich. Die Musik wurde rauer, direkter und experimentierfreudiger. Statt auf aufwendige Arrangements setzte Prince auf reduzierte Rhythmen, Synthesizer, Gitarren und eine Energie, die stellenweise eher an Punk und New Wave erinnerte als an den etablierten R&B-Sound jener Zeit.

Ein Album ohne musikalische Grenzen

Schon der Titelsong „Dirty Mind“ machte deutlich, wohin die Reise ging. Ein treibender Synthesizer-Rhythmus, knappe musikalische Strukturen und eine unverblümte Sprache bestimmten den Sound.

In „Uptown“ entwarf Prince eine Welt, in der gesellschaftliche Konventionen, Hautfarbe und sexuelle Identität keine Grenzen setzen sollten. „When You Were Mine“ verband eingängige Popmelodien mit einer ungewöhnlichen Beziehungsgeschichte und wurde später unter anderem von Cyndi Lauper interpretiert.

Mit „Sister“ und „Head“ überschritt Prince bewusst die Grenzen dessen, was im damaligen Mainstream-Pop als akzeptabel galt. Seine Texte provozierten, doch hinter der Provokation stand auch ein künstlerisches Prinzip: Prince wollte selbst bestimmen, worüber Popmusik sprechen durfte.

Der Beginn eines unverwechselbaren Images

Auch optisch bedeutete „Dirty Mind“ einen Bruch. Auf dem Albumcover präsentierte sich Prince in Unterwäsche, mit offenem Trenchcoat und einem selbstbewussten Blick in die Kamera.

Dieses Spiel mit Geschlechterrollen, Sexualität und gesellschaftlichen Erwartungen sollte zu einem wesentlichen Bestandteil seiner künstlerischen Identität werden.

Dabei war Prince nicht nur Sänger und Songwriter. Er spielte den Großteil der Instrumente selbst und übernahm weitgehend die Kontrolle über die Produktion. Schon früh zeigte sich damit jener Anspruch auf künstlerische Unabhängigkeit, der seine gesamte Laufbahn prägen sollte.

Vom Geheimtipp zum Popstar

Kommerziell war „Dirty Mind“ zunächst kein überwältigender Erfolg. Das Album erreichte Platz 45 der amerikanischen Billboard-Albumcharts. Musikkritiker erkannten jedoch früh, dass Prince hier eine eigenständige musikalische Sprache entwickelte.

Mit „Controversy“ (1981) und „1999“ (1982) führte er diesen Weg weiter. Spätestens mit „Purple Rain“ gelang ihm 1984 der internationale Durchbruch.

Rückblickend erscheint „Dirty Mind“ deshalb wie eine künstlerische Weichenstellung. Viele Elemente, die Prince später weltberühmt machten, waren hier bereits vorhanden: die Verbindung unterschiedlicher Musikstile, das Spiel mit Identitäten, die provokanten Texte und die kompromisslose Kontrolle über das eigene Werk.

46 Jahre nach seiner Veröffentlichung erinnert „Dirty Mind“ daran, dass Prince nicht erst mit „Purple Rain“ zum musikalischen Grenzgänger wurde. Den Grundstein dafür hatte er bereits 1980 gelegt.