„Timeless“ von Prince: Eine vergebene Chance

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Zehn Songs aus dem legendären Vault

Der US-Superstar galt zeit seines Lebens als Arbeitstier. Der Musiker widmete sich jahrzehntelang fast ausschließlich seiner Musik. Er schrieb und nahm wie besessen Songs auf, ohne den Großteil davon jedoch jemals offiziell zu veröffentlichen.

The Vault öffnet sich

Allerdings galt Prince auch als wenig akkurat, wenn es darum ging, diese Songs zu schützen. Daher kursieren bereits seit Jahrzehnten unzählige Bootlegs von Songs, die seit den 1980er Jahren im sogenannten „Vault“ lagerten. Schon als Prince 1987 seine Musikfabrik „Paisley Park“ fertigstellte, soll er mindestens 700 Songs in seinem Tresorraum gelagert haben. 2016, als Prince starb, befand sich dort ein gewaltiger musikalischer Schatz von bis zu 8.000 Aufnahmen.

Zehn davon sind jetzt auf dem neuen Album „Timeless“ erschienen. Sie sollen nach dem Wunsch der neuen Eigentümer einen Querschnitt über die jahrzehntelange Karriere des Musikers bieten. Doch das Album kann die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Es wirkt vielmehr wie eine zufällig zusammengewürfelte Auswahl an zum größten Teil bereits bekannten Songs.

Lediglich Beginn und Ende des Albums können überzeugen

Die Höhepunkte von „Timeless“ befinden sich zu Beginn und am Ende des posthum veröffentlichten Albums. Der Eröffnungstrack „I Am You“ stammt von 1977, also aus einer Zeit, in der Prince noch vor der Veröffentlichung seines Debütalbums „For You“ stand. Er präsentiert den typischen Funk jener Zeit, der sich ein Jahr später auch auf dem Debüt von Prince wiederfand.

„How Come U Don’t Call Me Anymore?“ wurde einst als Coverversion von Alicia Keys weltberühmt. Auf „Timeless“ können Fans den Song als Liveaufnahme aus dem Jahr 2016 hören. Aufgenommen, während der Piano & A Microphone-Tour wirkt der Song wie ein letzter Gruß des Musikers, der wenige Wochen später starb.

Heftige Kritik im Netz

Angesichts der sorgsam kuratierten Super-Deluxe-Boxen von Alben wie „A Sign o’ the Times“, „1999“ oder „Diamonds and Pearls“ wirkt „Timeless“ lieblos und schnell zusammengeschustert. Das gilt für die Musik ebenso wie für die Covergestaltung. Zudem wurden offenbar Songs durch nachträgliche Overdubs ergänzt. Entsprechend heftig ist die Kritik in den Prince-Foren im Netz. Diese scheint angesichts der neuen Musik berechtigt zu sein.

Offenbar planen die neuen Eigentümer des musikalischen Nachlasses mit neuer Musik zu geizen. Das zeigte sich bereits bei der Veröffentlichung der Reissue von „Around the World in a Day“ und setzt sich jetzt weiter fort. Zehn zum Teil bereits bekannte Songs aus einem Zeitraum von 1977 bis 2016 können die Karriere von Prince nicht ansatzweise würdigen.

Fans setzen ihre Hoffnung auf die angekündigte Parade-Box

The Vault gibt laut Einschätzung der ursprünglichen Nachlassverwalter noch Material für 50 bis 60 Super-Deluxe-Boxen oder 100 Alben her. Diese Chance haben die neuen Verantwortlichen vorerst vertan. Zehn Jahre nach dem Tod von Prince schlummert immer noch eine gewaltige Anzahl an Songs im ehemaligen Tresorraum, die darauf warten, von der Nachwelt entdeckt zu werden.

„Timeless“ fehlt über weite Strecken die Qualität, um dem musikalischen Erbe von Prince gerecht zu werden. Die Songs haben es in der Vergangenheit zurecht nicht auf die offiziellen Alben des Musikers geschafft.

Schon für 2026 ist eine Box von „Parade“ in Aussicht gestellt. Ob diese die hohen Standards der Vergangenheit erreichen wird, könnte zum Gradmesser für die weitere Beurteilung der Verwaltung des gewaltigen musikalischen Nachlasses von Prince werden.

Urteil des Klanggerichts: „Timeless“ von Prince ist zwar „nice to have“, wird Prince-Enthusiasten allerdings ein wenig ratlos zurücklassen. Es ist zwar schön die Songs in guter Klangqualität zu hören, als eigenes Album funktioniert die Veröffentlichung jedoch nicht. 

Georg Steiner für Kulturgericht.at