Nachgefragt bei der Ostpartie: „Der Funke springt jedes Mal über“

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Die Musik von Ostbahn-Kurti ist längst ein Stück österreichischer Musikgeschichte. Doch die Songs, die Willi Resetarits gemeinsam mit der Chefpartie geprägt hat, sind nicht verstummt. Die Ostpartie bringt sie zurück auf die Bühne – mit Respekt vor dem Original, aber ohne zur bloßen Kopie zu werden. Rock, Blues und Soul treffen dabei auf die unverwechselbaren Wiener Mundarttexte von Günter Brödl.

Im Gespräch mit Kulturgericht erzählen die Musiker, wie aus einer Idee nach dem Tod von Willi Resetarits eine Band wurde, warum ihre Konzerte auch ein jüngeres Publikum erreichen und weshalb neben der Musik vor allem die Erinnerung an den Menschen Willi Resetarits eine wichtige Rolle spielt.

(c) Ostpartie, v.l.n.r.: Martin Hinterndorfer, Klaus Bergmaier, Martin Freudenschuss, Tom Eichinger, Ben Kellner, Klaus Weber

Ihr habt euch der Musik von Ostbahn-Kurti verschrieben. Was war für euch der Moment, an dem klar war: Wir wollen diese Songs wieder gemeinsam auf die Bühne bringen?

Tom Eichinger: Zwei von unserer heutigen Besetzung – Klaus Bergmaier und ich – wurden einige Monate nach dem Tod von Willi Resetarits eingeladen, in einer Band mitzuwirken, die sich der Musik von Kurt Ostbahn widmen wollte. Es gab einige Proben, im Zuge derer sich einige Musiker wieder zurückzogen. Wir hielten die Idee jedoch für sehr verfolgenswert und suchten Leute dazu, mit denen wir zum Teil schon gearbeitet hatten. Und das funktionierte sehr gut.

Martin Hinterndorfer: Keiner von uns war zuvor militanter Ostbahn-Kurti-Fan, aber wir mochten die Musik und lernten sie sehr rasch sehr intensiv kennen und lieben. Wohl aber fühlten wir uns allesamt in der Musik zuhause, die die englische Originale von einem Großteil des Ostbahn-Repertoires umfasste. Rock, Blues und Soul der 1960er und 1970er Jahre und viele Stücke aus der Feder von Bruce Springsteen. Irgendwann erkannten wir, dass wir diese Musik besonders authentisch spielen können und dass der Spaß, den wir dabei haben, auch das Publikum anstecken könnte. Und so war es dann auch vom ersten Konzert an.

Ihr spielt vor Menschen, die Ostbahn-Kurti seit Jahrzehnten im Herzen tragen, aber auch vor einem jüngeren Publikum. Was macht diese Musik für euch so zeitlos?

Martin Freudenschuss: Die Qualität der Musik, die großteils Klassiker der Rockmusik, aber auch unbekanntere Perlen des Genres sind, einerseits. Aber natürlich die grandiosen Texte von Günter Brödl, der all diese großartigen Songs in Wiener Mundart übertrug. Natürlich waren in der Chefpartie von Anfang an großartige Musikerinnen und Musiker am Werk, die diese Musik überzeugend spielten. Und schließlich Willi Resetarits, der die Figur des Ostbahn-Kurti perfekt verkörperte und neben seiner gesanglichen Leistung auch mit seinen originellen Conferencen begeisterte.

Ben Keller: Das alles ist zeitlos und spricht Publikum jeden Alters gleichermaßen an. Der Funke springt jedesmal über, die Konzertbesucher*innen haben jede Menge Spaß dabei. Und die sogenannten Kurtologen, das sind akribische Kennerinnen und Kenner der Musik und der Texte, sind jedesmal in großer Zahl vertreten und wurden rasch zu unseren Stammgästen.

Bei Tribute-Bands ist der Grat zwischen möglichst originalgetreu und eigener Handschrift schmal. Wie viel Ostbahn-Kurti muss sein – und wie viel Ostpartie darf sein?

Klaus Weber: Einige von uns musizieren zum Teil schon seit Jahrzehnten. Natürlich hat da jeder auch schon seinen eigenen Stil entwickelt, der sich nie ganz verleugnen lässt. Prinzipiell versuchen wir uns aber schon sehr nahe am Original zu bewegen. Da das Original aber auch in erster Linie eine großartige Liveband war, von der es viele Aufnahmen und auch Videos gibt, die wir eingehend studiert haben, wissen wir, dass dort auch viel Raum für Improvisation war und ein Solo live nie wirklich gleich gespielt wurde. Das heißt aber, dass „originalgetreu“ zu spielen auch immer heißt „improvisieren und variieren“, offen sein für spontane Interaktion innerhalb der Band und mit dem Publikum. Es rennt – auf gut deutsch – pausenlos der Schmäh. Das macht es spannend und lässt unsere Konzerte niemals zur Routine werden.

Die letzten Worte gehören euch: Was muss über die Ostpartie noch gesagt werden, wonach wir nicht gefragt haben?

Klaus Bergmaier: Uns ist sehr wichtig, dass wir auch an den Menschen Willi Resetarits erinnern, der ein großes Herz hatte und ungemein engagiert war. So ist es uns ein Anliegen, bei Konzerten auch Spenden für sein Herzensanliegen das von ihm mitbegründete Wiener Integrationshaus zu sammeln. Höhepunkte sind für uns Konzerte an Orten, an denen auch Konzerte von Willi Resetarits bzw von Ostbahn-Kurti und der Chefpartie stattgefunden haben. Und von solchen Locations wurden und werden wir immer wieder eingeladen, was schon eine große Ehre ist. Und unvergleichlich war es 2025 beim Nachklang am Wiener Zentralfriedhof von rund 5000 Menschen aufzutreten, nur wenige Meter vom Ehrengrab von Willi Resetarits entfernt. Ich hatte ja auch das Glück, Willi Resetarits doch einige Male persönlich zu begegnen und Leute aus seinem Umfeld, vor allem die Schmetterlinge, näher kennenzulernen und mit einigen von ihnen zu arbeiten.

Martin Freudenschuss: Wir freuen uns heuer noch auf Konzerte unter Anderem im legendären Club „Sublime“ in Aflenz und unser in Summe bereits viertes Konzert im Vindobona im 20. Bezirk. Das ist die Bühne, auf der Willi Resetarits öfter aufgetreten ist als auf jeder anderen. Und zwar mit all seinen Ensembles. Dazwischen sind wir auch noch als abschließender Liveact zu Gast am großen „Mistfest“ der Wiener MA 48, für die der Ostbahn-Kurti mit „Bau kan Mist“ sogar ein eigenes Lied geschrieben hat.

Kulturgericht bedankt sich bei der Ostpartie für das Gespräch.