100 Jahre Landesmuseum Burgenland: Zurück zu den Anfängen
Vor genau 100 Jahren wurde das Burgenländische Landesmuseum im heutigen Leinner-Haus in Eisenstadt eröffnet. Zum Jubiläum kehrt das Museum nun an seinen ersten Standort zurück. Zwei Ausstellungen beschäftigen sich bis September 2027 mit der Geschichte seiner Sammlungen und der bedeutenden Rolle jüdischer Persönlichkeiten beim Aufbau des Museums.
Am Freitagabend wurde im Leinner-Haus die Ausstellung „Das Landesmuseum und seine Sammlungen“ eröffnet. Ergänzt wird die Jubiläumsschau durch „Das Landesmuseum und das Judentum“ im Österreichischen Jüdischen Museum Eisenstadt.

Zurück ins Leinner-Haus
Nach der Entstehung des Burgenlandes als eigenständiges Bundesland im Jahr 1921 stellte sich bald die Frage nach einer eigenen landeskundlichen Sammlung. Eine wichtige Rolle spielte dabei der Eisenstädter Weinhändler, Sammler und Mäzen Sándor Wolf.
Wolf stellte dem jungen Museum das Leinner-Haus zur Verfügung. Am 14. September 1926 wurde dort schließlich das Burgenländische Landesmuseum eröffnet. Ein Jahrhundert später bildet dieser historische Ort nun den Schauplatz der Jubiläumsausstellung.
„Das Landesmuseum und seine Sammlungen“ erzählt die Geschichte nicht ausschließlich chronologisch, sondern stellt ausgewählte Objekte und deren Geschichten in den Mittelpunkt.
Die Bandbreite reicht von Urgeschichte und Naturwissenschaft über Archäologie bis zu Kunst und Kulturgeschichte. Zu den besonderen Exponaten zählen das vollständige Skelett eines 1929 in Winden gefundenen Höhlenbären, ein Mastodon-Stoßzahn, archäologische Fundstücke und ein Tanzschuh der berühmten Tänzerin Fanny Elssler.
Damit soll zugleich sichtbar werden, wie breit die Sammlungen des Landesmuseums als regionales Universalmuseum angelegt sind.
Jüdische Wegbereiter des Landesmuseums
Ein zweiter Teil des Jubiläums wird im Österreichischen Jüdischen Museum präsentiert. Die Ausstellung „Das Landesmuseum und das Judentum“ beschäftigt sich mit jüdischen Persönlichkeiten, die wesentlich an der Gründung und Entwicklung des Museums beteiligt waren.
Eine zentrale Rolle spielt auch hier Sándor Wolf. Gemeinsam mit Karl Halaunbrenner, Alphons Barb und Michael Ferdinand Bothar gehörte er zu jener Generation, die den Aufbau der Sammlungen und die landeskundliche Forschung im jungen Burgenland vorantrieb.
Die Ausstellung endet allerdings nicht bei der Gründungszeit. Sie thematisiert auch die Folgen des Jahres 1938. Verfolgung, Enteignung und Flucht zerstörten jüdisches Leben im Burgenland und hinterließen auch in der Geschichte des Landesmuseums tiefe Spuren.
Anhand von Originalobjekten, Dokumenten und biografischen Zeugnissen werden diese Brüche ebenso behandelt wie der spätere Umgang mit geraubten Kulturgütern und deren Restitution.
100 Jahre Sammeln und Forschen
Landeshauptmann und Kulturreferent Hans Peter Doskozil bezeichnete das Landesmuseum anlässlich des Jubiläums als einen zentralen Ort der Kultur- und Landesgeschichte. Seit einem Jahrhundert werde dort gesammelt, geforscht, bewahrt und vermittelt.
Für KBB-Geschäftsführerin Claudia Priber ist das Jubiläum zugleich ein Blick in die Zukunft. Auch während der umfangreichen Sanierung des Landesmuseums sollen dessen Sammlungen, Forschung und Vermittlungsarbeit weiterhin präsent bleiben.
Die beiden Ausstellungen verbinden nun die Geschichte der Institution mit den Menschen, die sie aufgebaut und geprägt haben. Mit der Rückkehr ins Leinner-Haus schließt sich dabei nach einem Jahrhundert auch räumlich ein Kreis.
„Das Landesmuseum und seine Sammlungen“
Leinner-Haus, Eisenstadt
„Das Landesmuseum und das Judentum“
Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenstadt
Ausstellungsdauer: 3. Oktober 2026 bis 26. September 2027