Musikarchiv: Wie mit „Everybody“ Madonnas Karriere begann
Am 6. Oktober 1982 erschien eine Dance-Single einer weitgehend unbekannten Sängerin namens Madonna. „Everybody“ wurde kein großer Pop-Hit und schaffte es nicht einmal in die Billboard Hot 100. Trotzdem war der Song der Anfang einer der außergewöhnlichsten Karrieren der Popgeschichte. Heute vor 44 Jahren begann Madonnas Weg zum Weltstar.
Zu diesem Zeitpunkt war Madonna Louise Ciccone noch weit entfernt von „Like a Virgin“, „Material Girl“, „Like a Prayer“ oder „Vogue“. Ende der 1970er-Jahre war sie nach New York gezogen, hatte in verschiedenen Bands gespielt und versuchte, in der Musikszene der Stadt Fuß zu fassen.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei das New Yorker Nachtleben.
Vom Danceteria zum Plattenvertrag
Madonna hatte einige eigene Songs aufgenommen und versuchte, ihre Demos bei DJs und Plattenfirmen unterzubringen. Einer davon war Mark Kamins, DJ im legendären New Yorker Club Danceteria.
Er spielte „Everybody“ im Club – und die Reaktion des Publikums überzeugte ihn. Kamins brachte das Demo schließlich zu Sire Records. Labelgründer Seymour Stein erkannte das Potenzial und nahm Madonna unter Vertrag.
Kurioserweise fand eines der entscheidenden Treffen im Krankenhaus statt: Stein lag damals wegen gesundheitlicher Probleme im Lenox Hill Hospital, als Madonna ihn dort besuchte.
Am 6. Oktober 1982 erschien schließlich „Everybody“ als ihre erste kommerziell veröffentlichte Single.
Noch kein Popstar
Von der späteren Madonna-Inszenierung war zunächst wenig zu sehen. Auf dem Cover der Single war die Sängerin selbst nicht abgebildet. Stattdessen sollte zunächst vor allem die Musik funktionieren.
Und die funktionierte dort, wo Madonna herkam: in den Clubs.
„Everybody“ erreichte Platz drei der amerikanischen Dance-Charts. Für den großen Durchbruch im Pop-Mainstream reichte es noch nicht. Die Single verfehlte die regulären Billboard Hot 100, zeigte aber, dass es für Madonnas Mischung aus Dance, Disco und Pop ein Publikum gab.
Der Song war damit weniger ein großer Hit als vielmehr eine Eintrittskarte.
Der Anfang einer Popkarriere
1983 folgte „Burning Up“, wenig später erschien Madonnas selbstbetiteltes Debütalbum. Darauf befanden sich neben „Everybody“ jene Songs, mit denen sie endgültig den Sprung aus den New Yorker Clubs ins internationale Popgeschäft schaffte: „Holiday“, „Borderline“ und „Lucky Star“.
Das Debütalbum erreichte später Platz acht der US-Albumcharts und blieb insgesamt 168 Wochen in den Billboard 200.
Was am 6. Oktober 1982 mit einer Dance-Single begonnen hatte, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem globalen Popphänomen.
44 Jahre „Everybody“
Rückblickend wirkt „Everybody“ beinahe wie eine Blaupause für vieles, was Madonnas Karriere später bestimmen sollte. Tanzmusik und Clubkultur standen von Beginn an im Zentrum ihres musikalischen Selbstverständnisses.
Noch interessanter ist aber, wie wenig spektakulär diese Weltkarriere zunächst begann.
Keine Nummer eins. Kein großer Pop-Hit. Nicht einmal ein Foto des zukünftigen Superstars auf dem Cover.
Nur ein Song, ein New Yorker Club und eine Sängerin, die davon überzeugt war, dass dies erst der Anfang sein würde.
44 Jahre später wissen wir: Sie hatte recht.