Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Der Bauer als Millionär

Fr. 16. November 2012, 19.30 Uhr, KUZ Eisenstadt (Abo und freier Verkauf)

Raimunds erstes und bekanntestes Original-Zaubermärchen beginnt mit einem heftigen Streit im Feenreich. Fee Lakrimosa musste ihre Tochter Lottchen nach einem Liebesabenteuer mit einem Sterblichen auf der Welt zurücklassen und hat ihre Zauberkraft verloren. Sie kann ihre Kräfte nur zurückerlangen, wenn Lottchen bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag einen armen Burschen heiratet. Der einfache, brave, arme Bauer Fortunatus Wurzel wird deshalb zum Pflegevater bestimmt, alles scheint bestens geregelt. Aber Lakrimosas Feind, der „Neid“, sorgt dafür, dass Fortunatus Wurzel zu Reichtum gelangt. Die Bedingung der Fee will er nun nicht mehr erfüllen und weist den armen Fischer Karl, der sich in Lottchen verliebt hat, ab. Raimunds Zauberkiste ermöglicht die Läuterung: Fortunatus Wurzel erhält Besuch, die „Jugend“ verabschiedet sich von ihm mit dem berühmten Lied Brüderlein fein und das „Hohe Alter“ stellt sich als Gefährte seiner künftigen Jahre vor: Der kraftstrotzende Bauer wird zum müden, kranken, weißhaarigen Mann, dem Aschenmann. Nur mit Hilfe der „Zufriedenheit“ gelingt dann doch ein für alle glückliches Ende und die Erkenntnis, dass Geld allein nicht glücklich macht.

Das Alt-Wiener Volkstheater hatte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr auf Parodien, Karikaturen und Satiren konzentriert, die auf bekannte Themen, Stoffe und Stücke reagierten. Raimund wollte sich bewusst davon distanzieren und nannte deshalb sein drittes Stück „Der Bauer als Millionär“ ein „romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang“. Dieses Stück ist das erste, bei dem sich Raimund nicht auf Vorlagen stützt, was er im Titel durch das Wort „original“ zum Ausdruck bringt. Er bezeichnet es als Zaubermärchen, um einen Unterschied vom parodistischen Zauberspiel deutlich zu machen. Zaubermärchen sind Märchen, in denen allegorische Figuren und auch Feen oder Zauberer in das Leben der Personen eingreifen. Der Doppeltitel weist auf die beiden aufeinander bezogenen und voneinander abhängigen Bereiche hin: Geister- und Menschenwelt. Seine Uraufführung erlebte „Der Bauer als Millionär“ am 10. November 1826 im Theater in der Leopoldstadt in Wien.

„Der Bauer als Millionär“ lebt von Raimunds ureigener poetischer Erfindungsgabe. Jérôme Savary hat bewiesen, dass Raimunds Werke auch heute noch bezaubern und unterhalten können. Als Gäste im Ensemble des Landestheaters agieren als Fee Lakrimosa Doris Schretzmayer, die aktuell im Kinofilm Spanien und in der ORF-Serie Braunschlag von David Schalko zu sehen ist, Peter Faerber, bekannt von der Bühne und aus vielen Film- und Fernsehprojekten in der Rolle des Fortunatus Wurzel und Burgtheatermitglied Heinz Zuber als Magier Ajaxerle.

Koproduktion des Landestheaters Niederösterreich mit der Bühne Baden Regie: Jérôme Savary / Bühne: Frieder Klein, Jérôme Savary / Kostüme: Frieder Klein

Mit Peter Faerber, Iréna Flury, Swintha Gersthofer, Pascal Groß, Katharina von Harsdorf, Christine Jirku, Klaus Ofczarek, Marion Reiser, Michael Scherff, Othmar Schratt, Doris Schretzmayer, Tobias Voigt, Jan Walter, Lisa Weidenmüller, Helmut Wiesinger, Heinz Zuber

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