Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Architektur Personale – Tomm Fichtner

EINLADUNG ZUR AUSSTELLUNG
Tomm Fichtner
Architektur Personale I

Eröffnung:
Mi. 10.12.2014 – 19:00 Uhr
Architekturgalerie
Raumburgenland Contemporary

Tomm Fichtner ist aus der zeitgenössischen Baukultur des Burgenlands nicht wegzudenken. Er ist in diesem Umfeld sozusagen zu einer charakteristischen Person geworden. Im englischsprachigen Raum würde man sagen: he`s got personality.

Verfolgen wir den Lebensweg von Tomm Fichtner, dann sehen wir zwar einen in der Region tief verwurzelten Menschen, der aber durch seine polyglotte und künstlerische Familie gleichzeitig auch immer ein stückweit in einer ganz anderen – nämlich in der großen, weiten Welt zuhause war. Fichtner wurde im Jahr 1956 in Oberpullendorf geboren, genoß seine Schulbildung aber in der Wiener Innenstadt. Nach der Matura blieb Fichtner dort: er wechselte nur rüber, an die renommierte Universität für angewandte Kunst in Wien, zu Soulek und Spalt, softe, intellektuelle Designer und wichtige Lehrer ihrer Zeit, allerdings noch ganz der etwas elitären Tradition der früheren Kunstgewerbeschule verhaftet. Sechs Jahre später schloss Fichtner sein Studium ab. Er arbeitete mit einem Bühnenbildner, als Designer, er unterrichtete ein bisschen. Jedoch: Es war nicht genug, es reichte ihm nicht. Der fertige Magister der Künste begann neuerlich zu studieren. Es war zwar die gleiche Schule, aber eine völlig andere Stimmung: die Meisterklasse Holzbauer war damals wahrscheinlich die intensivste Kaderschmiede für Architektur – Spitzenkräfte in Europa. Tomm kippt aus der schöngeistig verzierten Welt der Wiener Innenstadt hinein in die harte, männliche, taffe Welt der aggressiven leading architects. Es ist die Zeit der Postmoderne, eine Zeit heftiger Diskurse, welche die Welt der Architektur erschüttern: Rob Krier, Aldo Rossi und James Stirling, aber auch Rem Kohlhaas, Zaha Hadid oder Coop Himmelblau sind die emerging stars der Epoche, die einen eher konservativ, die anderen eher progressiv.

In der Meisterklasse Holzbauer ist Tomm Fichtner in einem Zentrum dieses Diskurses, in einem eher konservativen, aber Tomm ist eher auf Seiten der Revolutionären, die damals Dekonstruktivisten geschimpft wurden.Im Januar 1986 jedenfalls, als dieser Diskurs gerade zu verebben beginnt, schließt Tomm Fichtner sein zweites Studium als Magister der Architektur ab. Er gründet mit anderen progressiven Holzbauerinanern – C.Mascha, C.Seethaler, R.Köb und G. Zwirchmayr – das Atelier 6B, benannt nach dem dicken, weichen Bleistift, der damals synonym für künstlerisch hingeworfenen Skizzen ist. Es wird gebaut. Dachbodenausbauten entstehen, Geschäfts- und Büroumbauten, Einfamilienhäuser und kleinere Industriebauten. Immer wieder werden Wettbewerbe gezeichnet, in der unbändigen Art einer selbstbewussten Jeunesse Dore, strotzend vor Sendungsbewusstsein und revolutionärem Geist. Neben dem Bauen und dem Entwerfen reist der polyglotte Architekt rund um die Welt: Sri Lanka, Südostasien, Borneo, Indonesien, Hongkong, Taiwan, Japan, Neuseeland, die Fijiinseln, Polynesien und die USA sind Stationen des ruhelos schauenden, zeichnenden und arbeitenden Reisenden Fichtner.

Irgendwann zwischen Reisen und Bauen zerfällt das Atelier 6B in das, was es wahrscheinlich immer war, nämlich in lauter eigenständige, störrische Persönlichkeiten, gut geschult, bauwillig, baugierig. Tomm Fichtner macht einen seltsamen Schritt. Im Jahr 1999 gründet er sein eigenes Büro TOMM FICHTNER, und der polyglotte, weltgereiste Urbanist Fichtner findet sich plötzlich am Land – genauer in Stadtschlaining -wieder. Er bekommt eine Tochter, er wird Mitglied des Architektur Raumburgenland, es baut, er plant, er berät. Er entwirft in dieser Zeit eines seiner wichtigsten und meistpublizierten Projekte. Es ist das Haus für sich selbst und für seine Familie. Es ist ein altes, geräumiges Stadthaus voller Kunst, direkt an der Stadtmauer der kleinen, historischen Stadt Stadtschlaining gelegen, mit einem riesigen, verglasten Giebel, woraus man über die düsteren Waldtäler des Günser Berglandes blickt. Dort oben sitzt er seit dem, eine Art unruhiger Waldgeist, ständig hin und hergerissen zwischen dem Phlegma des ländlichen Lebens und dem Glitzern der Weltstädte, Wien, London, Isfahan. Von Zeit zu Zeit hadert Tomm Fichtner mit seinem Schicksal. Er fühlt sich dann weggesperrt, weltabgewandt, er, der die Welt bereist hat, er, der mit den ganz Großen der Branche gearbeitet hat. Er mault in solchen Phasen dann zwar ein bisschen herum, aber er wäre nicht der, der er ist, wenn er daneben nicht auch etwas Anderes machen würde: Tomm gewinnt in solch einer Phase den Wettbewerb für das Seerestaurant Rust – den Katamaran – der nicht nur über Nacht zum Publikumsliebling wird, sondern auch jede Menge Preise abräumt. Seine vielfältigen Arbeiten jenseits des Katamarans wurden zwar immer wieder ausgestellt und gezeigt: in Ungarn, in Mexiko, in Israel, selten jedoch in Österreich. Diesen Umstand ändern wir hiermit. Die Zeit ist reif geworden für Tomm Fichtner, Architekt, verwachsenes Urgestein und unbändiger Weltgeist in einer Person.

Klaus –Jürgen Bauer, Kurator

Eröffnung Mi.10.12.2014 19:00 – Ausstellungsdauer: 11.12.2014-13.2.2015

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