Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

Konzertkritik – Nova Jazz and Blues Night 2008

28. Juli 2008

Die Königin hielt Hof

Erykah Badus erster Auftritt in Österreich überzeugte beim Jazzfest Wiesen 2008 vollständig

Man hatte die Hoffnung beinahe schon aufgegeben. Als mit Beginn des Jahres die beiden Väter des Erfolges in Wiesen, Ewald Tatar und Franz Bogner ihre erneute Zusammenarbeit ankündigten, bestand zumindest die Chance wieder an alte Festivalerfolge anzuknüpfen. Die hochgesteckten Erwartungen wurden bereits bei erster Gelegenheit, bei der Nova Jazz & Blues Night im Rahmen des Jazzfestes Wiesen erfüllt. Das Publikum quittierte das interessante Line-up mit vollständiger Anwesenheit und wurde mit durchwegs gelungenen Konzerten belohnt. Pünktlich zum Auftritt von Macy Gray brach die Sonne wieder durch und vertrieb erfolgreich die Regenwolken.

Glamoreus im Auftreten, sicher in der Pose und unbändig im Willen das Publikum auf ihre Seite zu ziehen lieferte sie das erste Highlight des Abends. Der druckvolle Sound und die spielfreudige Band taten ihr Übriges um die Massen erstmals zum Kochen zu bringen. Ein Covermedley und „I try“ zum Abschluss vollendeten eine mitreißende Show.

The Crusaders mit Nils Landgren und Ray Parker Jr. knüpften musikalisch direkt daran an und bewiesen, dass sie auch nach 35 Jahren im Geschäft, ein großes Publikum mühelos in Bewegung halten können.

Al Jarreau reduzierte das Tempo zu Beginn zusehends, steigerte sich aber bis zum Ende deutlich. Ein solides Konzert des Amerikaners, wenn auch mit ein bisschen zu viel „Akrobatik“ und zu wenig Atmosphäre.

So weit so gut, Musik, Bier und Feuerflecken war genossen, was sollte da noch groß passieren? Mit 30 Minuten Verspätung betrat dann Erykah Badu erstmals österreichischen Konzertboden und ließ das Festivalzelt erzittern. Die „Queen of Soul“ demonstrierte bereits in den ersten Sekunden, dass an diesem Abend „keine Gefangenen gemacht werden“. Die optische und musikalische Ausnahmeerscheinung Erykah Badu kümmerte sich keinen Deut um den musikalischen Einheitsbrei, der oftmals vom Headliner dem schon ermüdeten Festivalpublikum serviert wird. Knochentrocken lieferte sie ein anspruchsvoll dargebotenes musikalisches Programm der Extraklasse ab. Soul, Funk, mit Hip Hop Elementen und jazzigen Einlagen donnerte dann auch aus den damit beinahe überforderten Boxen. Selbstbewusst bestimmend bis beinahe zärtlich führte die 37 jährige Amerikanerin durch ihr musikalisches Schaffen ohne je auch noch eine Sekunden die Kontrolle über Band und Publikum zu verlieren. Dementsprechend heiß begehrt waren CD´s und T-Shirts der Frau aus Dallas.

Mit ihrer Verpflichtung ist dem neuen alten Wiesen Team ein musikalischer Leckerbissen gelungen, bleibt zu hoffen, dass die Kooperation im nächsten Jahr ihre Fortsetzung findet.

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