Kulturgericht

Kunst und Kultur im Burgenland

festival Esterházy: Musik- und Ausstellungsangebote 2013

Bereits zum dritten Mal erklingt 2013 das erfolgreiche Konzertprogramm der Esterházy Privatstiftung im Schloss Esterházy. Im vergangenen Konzertjahr waren 9.600 Besucher hingerissen vom vielfältigen und hochwertigen Programm der vergangenen Konzertsaison, der hohen Qualität und der Akustik des Haydnsaals.

Die Ausstellungen im Schloss wurden 2012 von 108.000 Gästen besucht, 44.000 Besucher waren es auf der Burg Forchtenstein und 10.000 im Schloss Lackenbach. Die Lokationen von Esterházy waren mit rund 230.000 Gästen auch 2012 wiederum der größte Besuchermagnet im Burgenland. Gemeinsam mit den Opernfestspielen St. Margarethen, konnte man über 370.000 Besucher begrüßen.

Eine schöne Erfolgsgeschichte haben auch die beiden Ausstellungen, die bereits seit mehreren Jahren im Schloss gezeigt werden:
– In der Ausstellung „Haydn Explosiv“ konnte seit der Eröffnung im Jahr 2009 heuer der 93.000 Besucher begrüßt werden.
– Die Ausstellung „Glanzlichter des Schlosses Esterházy“ wurden in drei Jahren von rund 167.000 Besuchern aus Österreich und dem Ausland gesehen.
„Wir haben das musikalische Programm 2013 in Hinblick auf die lange bedeutende Musikgeschichte der Familie Esterházy konzipiert. Jede Säule der Programmierung beruht auf einer bestimmten Tradition des Hauses und interpretiert sie für unser modernes Publikum neu“, erklärt der Musikalische Intendant, Robert Tannenbaum, die Intention hinter dem festival Esterházy 2013.

Geschichte zu neuem Leben erweckt
Den Auftakt in die Konzertsaison machen die Liebhaber-Concerte. Auch wenn Joseph Haydn stets Mittelpunkt der musikalischen Geschichte bei Esterházy war, gab es in Eisenstadt neben und nach ihm ein reges musikalisches Geschehen. Die Musikreihe der Liebhaber-Concerte belebt diese vergessenen Musiktraditionen und erweckt historische Instrumente aus der Sammlung Privatstiftung Esterházy zu neuem Leben. Im Mittelpunkt des ersten Konzertes am 6. April steht ein Violoncello von Antony Posch aus dem Jahr 1720, das u. a. Einblicke in die Werke von Nicola Porpora, dem Kompositionslehrer Haydns, gibt. Der Lieder- und Arienabend mit dem amerikanischen Tenor Donald George und der Pianistin Lucy Mauro am 6. Juli ruft die Musik von Joseph Weigl, dem Eisenstädter Komponisten und Patenkind Joseph Haydns, in Erinnerung.

Das Esterházy Streichquartett Festival
Schloss Esterházy und das festival.Esterházy sind ohne Streichquartett nicht vorstellbar, gilt doch Joseph Haydn als der wichtigste Entwickler dieses Instrumentierungs-Formates „Heuer bringen wir weltbekannte, in Österreich aber kaum bis nie aufgetretene Streichquartette nach Eisenstadt, um unser Publikum mit neuen Klangerlebnissen zu begeistern“, freut sich Robert Tannenbaum auf die vier aufeinander folgenden Tage rund um Fronleichnam (30. Mai – 2. Juni), an denen vier herausragende Quartette, drei davon erstmals in Österreich, konzertieren. Das Orion und das Escher Quartet starten ihre Konzerte jeweils mit Mozart, um dann nach romantischen Klängen bei der klassischen Moderne zu landen. Das Afiara Quartet spannt den Bogen von Beethovens letztem Werk der Gattung zu Schostakowitsch und zu Jean Sibelius. Das Jupiter String Quartet feiert mit seinem Österreich-Debut den 100. Geburtstag von Benjamin Britten im Haydnsaal.

Park und Haydnsaal – die Picknickkonzerte
Als wahrer Publikumsmagnet etablierten sich bereits im ersten Jahr ihres Bestehens die Picknickkonzerte. Auch 2013 kombiniert die Konzertreihe wieder zwei einzigartige Elemente: Symphoniekonzerte im einzigartigen Haydnsaal und die Picknickmöglichkeit im Privatpark des Schlosses als öffentliches Naturerlebnis mitten in der Stadt. „An zwei Wochenenden können unsere Sommergäste populäre symphonische Musik im Haydnsaal kombiniert mit erlesenen Picknicks im Freien – entweder ganz klassisch im Picknickkorb oder als „De luxe-Variante“ serviert an Tischen – genießen“, so Tannenbaum. Das Musikprogramm ist ebenso mitreißend wie abwechslungsreich und reicht von Carl Orffs „Carmina Burana“, Mozarts „Jupiter-Symphonie“, Beethovens 4. Klavierkonzert bis hin zu Brahms Zweiter Symphonie. Unter der bewährten Leitung von Jochem Hochstenbach sind dabei nicht nur die Pressburger Symphoniker, sondern auch Solisten wie der Pianist Alexei Volodin zu Gast.

Kammeroper München in Eisenstadt mit Goldonis Oper „Diener zweier Herren“
Die Oper war über mehr als ein Jahrhundert ein sehr bedeutender Teil des Esterházy’schen Musiklebens in Eisenstadt. Das festival.Esterházy würdigt diese hauseigene Musikgeschichte mit gut gewählten Operngastspielen, um dem Publikum einen Einblick in diese Gattung zu gewähren. 2013 gastiert die Kammeroper München bereits zum dritten Mal in Eisenstadt. Auf dem Programm steht Carlo Goldonis „Diener zweier Herren“ mit Werken von Wolfgang A. Mozart, die Alexander Krampe aus den Opernfragmenten „L´Oca del Cairo“ und „Lo Sposo deluso“ sowie ausgewählten Konzertarien und nicht zuletzt Ballettmusiken zu einer neuen Mozart-Oper gekonnt zusammensetzt.

Sammlung der Privatstiftung Esterházy
400 Jahre Geschichte und neue Themen in den Ausstellungen im Schloss Esterházy und auf Burg Forchtenstein in 2013
In über vier Jahrhunderten erwarben die Fürsten Esterházy eine umfangreiche Kunstsammlung. Sie kauften, verschenkten, stifteten, ließen nach ihren Vorstellungen fertigen und bewahrten seit dem 17. Jahrhundert einen mannigfaltigen Besitz an Kunstobjekten. Werke der Kunst- und Wunderkammer, Musik, Malerei, Grafik, Bildhauerei, Tafelkultur oder Gartenkunst haben ebenso die Zeiten überdauert wie Waffen, Uniformen, Bücher und Mineralien.

Nach der Zeit der Stagnation der Sammeltätigkeit um 1840, der Stiftung von Kunstwerken an den Ungarischen Staat, eingeschränkter Sammlungspflege und den Kriegsverlusten im 20. Jahrhundert sind seit der Gründung der Privatstiftung Esterházy beträchtliche Schritte in der Wiederentdeckung und Aufarbeitung der Sammlungen gesetzt worden.

Seit 2005 wird der Bestand der Sammlung Privatstiftung Esterházy systematisch und nach modernen Erkenntnissen erfasst. Seitdem wurden über 150.000 Einzelobjekte durch wissenschaftliche Forschungen identifiziert, bearbeitet und katalogisiert. Dazu gehören Bestände der Bibliothek, die graphische Sammlung, Objektgruppen der Porzellane, die Silberkammer, die Bestände der historischen Schatzkammer, das Mobiliendepot (darin vor allem historische Möbel und Gemäl-de) sowie Teile der historischen Waffen und Monturen. Die dafür aufgewendeten Kosten liegen weit im bedeutenden siebenstelligen Bereich und wurden ohne öffentliche Unterstützung von Esterházy Stiftungen getragen.

„Nach den Jahren der akribischen Erfassung und Bewertung des historischen Sammlungsbestandes – verbunden mit zahlreichen Restaurierungen und Präsentationen in der Öffentlichkeit – treten wir in eine neue Phase: Im Vordergrund unserer Arbeit stehen nun die wissenschaftliche Auswertung der zahlreichen erlangten Erkenntnisse zu Geschichte und Kunsthistorie der Sammlungen, sowie eine analytische Bewertung der Objekte und Objektgruppen. Ziel ist es, die einzigartigen Sammlungsbestände in Forchtenstein und Eisenstadt in einen fachlichen Kontext zu setzen und zur nachhaltigen Präsentation international zu vernetzen. Maßnahmen zur dauerhaften Konservierung und Erhaltung der Kunstobjekte und historischen Exponate sind eingeleitet und werden für die Zukunft projektiert“, berichtet Dr. Florian Bayer, Leiter der Sammlung Privatstiftung Esterházy, über die Schwerpunkte der Arbeit seiner Abteilung.

Durch diese umfassenden Arbeiten werden für Besucher und Fachwelt aus aller Welt auch im kommenden Jahr spannende Neuigkeiten aus dem sagenhaften Kunsterbe der Familie Esterházy erlebbar gemacht.

Einzigartiger Barockschmuck der Esterházys im Schloss in Eisenstadt
Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird aufwändig restaurierter und teilrekonstruierter Barockschmuck aus der Esterházy Schatzkammer. Vor Beginn der dreijährigen Restaurierung beschäftigten sich die Mitarbeiter der Sammlungsabteilung mit der Frage, ob und wie weit man mit der Rekonstruktion von fehlenden Teilen der erhaltenen Schmuckstücke gehen könne. „Umfassende Recherchen, vor allem an den zahlreichen Porträts der Ahnengalerie auf Burg Forchtenstein, sowie im Budapester Nationalarchiv aufgefundene Federzeichnungen, die große Geschmeidegarnituren zeigen, dienten uns als Orientierungsgrundlage für die Befüllung der teilweise leeren Fassungen“, erzählt Dr. Florian Bayer.

In die Objekte wurden einerseits Perlen und Steine, die man lose in der Schatzkammer auf der Burg fand, eingearbeitet. Andererseits setzte man neue Steine ein, die nach den Originalvorlagen geschliffen wurden, um den Kostbarkeiten ihr einstmals prächtiges Aussehen zurückzugeben.

Die prächtigen und reichen Schmuckkreationen werden gemeinsam mit ausgewählten Ahnenporträts präsentiert, auf welchen die Schmuckstücke aus ihrer Zeit sehr gut dokumentiert sind. Der restaurierte Schmuck, Juwelenzeichnungen sowie Familienbildnisse der Familie Esterházy ermöglichen erstmals einen umfassenden Blick auf den repräsentativen Schmuck der ungarischen Aristokratie des 17. und frühen 18. Jahrhunderts – eine in dieser Art einzigartige Schau! Dazu sind die sorgfältig restaurierten original Schmuckfutterale, die innen mit edlem Samt ausgeschlagen sind, um die Juwelen zu schützen.

Harmonia Caelestis in der Ausstellung Haydn Explosiv*2013
Die musikalische Tradition am Hof von Palatin Nikolaus Esterházy wurde von seinem Sohn Paul weitergeführt. Dieser war nicht nur Feldherr, Kunstmäzen und leidenschaftlicher Sammler erlesener Kunstobjekte, sondern selbst auch musisch äußerst begabt. So erlernte er u.a. verschiedene Musikinstrumente zu spielen, wie etwa das Virginal, an dem er sich bevorzugt versuchte. Er schätzte nicht nur profane Musik und beschäftigte an seinem Hof Musiker für Kammermusik und Feldmusik, sondern war auch der geistlichen Musik sehr verbunden. So rief er eine eigene Kirchenmusikkapelle ins Leben.

Paul bedeutendstes musikalisches Schaffen, das heute vor allem in der ungarischen Musikgeschichte einen herausragenden Platz einnimmt, ist seine »Harmonia Caelestis«, die schließlich 1711 – wohl in Wien – veröffentlicht wurde. Seinem Werk wird in der Ausstellung Haydn explosiv*2013 mit einem Schwerpunkt Rechnung getragen.

Esterházysche Militärtradition
Sternstunden auf der Burg Forchtenstein

Neu seit 2012 auf der Burg Forchtenstein ist der gesamte Ausstellungsbereich „Türken, Preußen und Franzosen – 300 Jahre Militärgeschichte der Esterházy“. Auch hier ermöglicht nur die jahrelange akribische Forschung den Einblick in die Sternstunden Esterházy’scher Militärgeschichte vom späten 17. bis ins späte 19. Jahrhundert.

Die Neuaufstellung beinhaltet neben einer beeindruckenden Fülle von militärischen Ausrüstungsgegenständen auch erstmals gezeigte Exponate. Eines davon ist die älteste original erhaltene ungarische Krönungsfahne aus reiner Seide. Dr. Bayer kennt die Geschichte dieser Fahne: „Sie wurde von Nikolaus Esterházy, dem späteren Palatin, am 1. Juli 1618 bei der Krönung von Ferdinand II. zum ungarischen König getragen. Da die Fahnenträger ihre Fahnen nach der Krönungszeremonie behalten durften, wurde das kostbare Objekt auf Burg Forchtenstein verwahrt, wo es sich bis heute in der Fahnensammlung erhalten hat.“ Für die Ausstellung wurde die bereits aufgrund ihres Alters in Mitleidenschaft gezogene Seidenfahne in diffiziler Handwerkskunst eines erfahrenen Fachmannes restauriert und auf einen Trägerstoff aufgebracht.
2013 wird die Ausstellung um weitere historische Waffenbestände, wie einzigartige Pistolen und Säbeln, vor allem aber um die bisher noch nie gezeigte „Serbische Krönungsfahne“ aus dem 17. Jhdt. erweitert.

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